Sieg beim Ruhestein-Bergrennen vor 80 Jahren
Es war der 21. Juli 1946 in Baiersbronn (Schwarzwald, Baden-Württemberg). Damals fand das erste deutsche Motorsport-Event nach dem Krieg statt. Über 30.000 Zuschauer kamen an die Strecke, um die mehr als 100 Rennfahrer zu sehen. Die Strecke war mit 8.000 Metern Länge und 500 Metern Höhenunterschied extrem hart.
Das Rennen startete beim Gasthaus Adler im Ortsteil Obertal. Dort gab es eine hölzerne Tribüne für die Gäste. Das Wetter machte den Fahrern zu Beginn einen Strich durch die Rechnung: Dichter Nebel hielt sich hartnäckig, und es regnete. Erst im Laufe des Tages wurde das Wetter besser.
Inmitten dieses Trubels feierte Ewald Kohler aus dem Bühlertal (Landkreis Rastatt, Baden-Württemberg) einen großen Erfolg. Er startete in der 350er-Klasse für Ausweisfahrer. Obwohl es sein allererstes Rennen war, fuhr er mit seiner NSU-Maschine eine Zeit von 5 Minuten und 33,4 Sekunden. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 86,4 km/h ließ er die Konkurrenz hinter sich und gewann seine Klasse souverän.
Der Weg zum Sieg war jedoch steinig. Die französische Militärregierung in Baden-Baden musste das Rennen erst genehmigen. Kohler selbst musste einen politischen Fragebogen ausfüllen und erst kurz vor dem Start Mitglied in der Süddeutschen Motorrennfahrer-Vereinigung werden. Zudem kam sein Motorrad erst am 5. Juli aus der Reparatur bei den NSU-Werken in Neckarsulm zurück.
Nach diesem ersten Sieg blieb Kohler dem Sport treu. Er fuhr beim Karlsruher Dreiecksrennen und beim Eggbergrennen in Bad Säckingen, wo er 1947 den vierten Platz belegte. Im Jahr 1950 gewann er zudem die Klasse bis 125 ccm beim Motorradrennen in Malsch und erzielte bei einer Zuverlässigkeitsfahrt die schnellste Zeit des Tages.
Der erfolgreiche Rennfahrer und Kfz-Meister starb im Oktober 1960 zu einem frühen Zeitpunkt. Die Details zu seinem Werdegang wurden vom Kreisarchivar Martin Walter zusammengetragen.