Mechernich bekommt eigene Anlage für grünen Wasserstoff
In Mechernich (Kreis Euskirchen, Nordrhein-Westfalen) ist ein neues Projekt gestartet. Mit einem symbolischen Spatenstich auf der Peterheide hat die Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) den Bau einer Wasserstoff-Anlage eingeleitet. Das Ganze entsteht auf dem Gelände, wo später auch ein Aus- und Weiterbildungszentrum für digitale und klimaneutrale Mobilität (AWM) hinkommt. Damit die Tankstelle für alle gut erreichbar ist, wird sie vor dem geplanten Gebäudekomplex platziert.
Die Anlage besteht aus zwei Teilen: einer Tankstelle und einem sogenannten Elektrolyseur. In diesem Gerät wird der Wasserstoff hergestellt. Damit der Treibstoff wirklich „grün“ ist, muss er aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Die RVK hat die Stromversorgung bereits ausgeschrieben. Infrage kommen dafür Windräder oder Solaranlagen. Sobald die Produktion läuft, muss die RVK genau nachweisen, dass der Strom auch wirklich aus diesen Öko-Quellen kommt.
Die Technik ist leistungsstark: Der Elektrolyseur produziert pro Stunde 36 Kilogramm Wasserstoff. Das reicht für etwas mehr als zwei volle Tanks eines typischen Wasserstoffbusses. Für die Busse gibt es zwei Zapfsäulen mit 350 bar Druck; eine Tankung dauert weniger als zehn Minuten. Wer mit einem Wasserstoff-Auto oder einem Lkw kommt, kann eine separate Säule mit 700 bar nutzen. Da sich das Gas beim Tanken erwärmt, wird es in der Anlage auf bis zu minus 40 Grad heruntergekühlt. Die Wärme, die bei der Herstellung des Gases entsteht, soll später zum Heizen der AWM-Gebäude genutzt werden.
Damit die Busse immer fahren können, setzt die RVK auf Sicherheit. Die wichtigsten Teile der Anlage werden doppelt eingebaut. So läuft die Produktion auch dann weiter, wenn mal etwas gewartet werden muss. Zusätzlich gibt es Tanks, in denen Wasserstoff für Notfälle vorgehalten wird.
Das Projekt ist teuer, wird aber stark gefördert. Insgesamt fließen rund 15,1 Millionen Euro vom Bundesministerium für Verkehr in den Bau. Davon entfallen 7,9 Millionen Euro auf die Tankstelle und 3,1 Millionen Euro auf den Elektrolyseur. Ein weiterer Aufstockungsantrag über 4,1 Millionen Euro wurde ebenfalls bewilligt.
Für die RVK hat das Ganze auch wirtschaftliche Vorteile. Geschäftsführer Dr. Marcel Frank erklärte, dass man durch die Eigenproduktion unabhängig von den Preisen am Markt wird. Zudem kann sich das Unternehmen am Handel mit Treibhausgasminderungszertifikaten (THG-Quoten) beteiligen, was die Betriebskosten für die Busflotte senken soll.
Die Anlage in Mechernich ist eine von zwei geplanten Stationen; eine weitere entsteht parallel in Bergisch Gladbach. Beide sollen bis Ende 2026 in Betrieb gehen. Das große Aus- und Weiterbildungszentrum (AWM) folgt später: Hierfür wurde ein Förderantrag über 114 Millionen Euro gestellt, der Baubeginn ist für Mitte 2027 vorgesehen.