Esslingen am Neckar: Hitze stresst den Stadtwald
Im Esslinger Wald (Baden-Württemberg) sieht es momentan aus wie im Herbst. Die Blätter werden gelb und braun, die Kronen der Bäume werden lichter. Das liegt aber nicht an der Jahreszeit, sondern an der extremen Hitze und Trockenheit der letzten Wochen. Laut Stadtförster Ingo Hanak steht der Wald unter Dauerstress, weil es viel zu wenig geregnet hat.
Besonders hart trifft es Rotbuchen, Fichten und Lärchen. Bei jungen Buchen auf einigen Lichtungen ist es sogar zu echtem Sonnenbrand gekommen: Die kleinen Bäume können sich nicht vor der starken Sonne schützen und verbrennen einfach. Auch alte Buchen kämpfen ums Überleben. Sie werfen Blätter ab, um Energie zu sparen. Da ihre Rinde durch die Sonne geschädigt ist, haben es Schädlinge und Pilze jetzt leichter.
Zusätzliche Kraft kostet die Natur dieses Jahr durch ein sogenanntes Vollmastjahr, in dem die Buchen extrem viele Früchte tragen. Der Stadtförster warnt jedoch, dass die schlimmsten Folgen erst in den nächsten zwei Jahren sichtbar werden, ähnlich wie beim Hitzesommer 2003.
Die Trockenheit macht auch die Wege gefährlich. Der Boden ist so ausgetrocknet, dass tiefe Risse entstehen. In Berkheim musste deshalb bereits ein Waldweg gesperrt werden, damit Spaziergänger oder Radfahrer nicht hängen bleiben und sich verletzen. Die Forstmitarbeiter kontrollieren deshalb verstärkt Parkplätze und Spielplätze, um die Sicherheit zu gewährleisten. Zudem mussten frisch gepflanzte Eichen und Tannen bewässert werden.
Auch die Bäche leiden: Der Hainbach ist im Oberlauf komplett ausgetrocknet, beim Stettener Bach fließt nur noch ein dünner Streifen Wasser. Das bedroht die Tiere, die dort leben.
Die Stadt bittet alle Wald Besucher um Vorsicht. Wegen der hohen Waldbrandgefahr gilt das Rauchverbot strikt. Auch auf der Grillwiese am Jägerhaus ist extrem vorsichtig mit Feuer umzugehen. Zudem warnen die Forstleute vor starkem Wind: Da viele Bäume bereits geschädigt sind, können jederzeit große Äste ohne Vorwarnung abbrechen.
Ein kleiner Lichtblick ist der Borkenkäfer, bei dem die Lage derzeit ruhig ist. Jetzt hofft die Stadtverwaltung auf langanhaltenden Regen, damit sich der Wald erholen kann.