Worms: Museum zeigt seltsame Funde und historische Schätze
Das Museum im Andreasstift in Worms (Rheinland-Pfalz) lässt seine Besucher auf eine Zeitreise mitnehmen. In der Reihe „Worms Stück für Stück“ werden jeden Monat besondere Fundstücke aus der Sammlung präsentiert, die oft eine ungewöhnliche Geschichte haben.
Ein besonders schauriger Fund stammt aus dem Jahr 2010. Bei Arbeiten am Nordturm der Andreaskirche entdeckten Arbeiter einen Katzenschwanz, der im Mörtel zwischen den Steinen steckte. Experten gehen davon aus, dass es sich um ein sogenanntes Bauopfer handelt. Früher glaubten die Menschen, dass man durch das Einmauern von Tieren oder Gegenständen Böses fernhalten und Glück für das Gebäude beschwören könne.
Auch die Römer hinterließen in Worms spannende Spuren. So gibt es eine Tonmaske, die 1891 bei Bauarbeiten an einem Kanal in der Nähe der Neusatz-Schule gefunden wurde. Die Maske war zerbrochen, konnte aber wieder zusammengesetzt werden. Sie stammte ursprünglich aus Köln und diente vermutlich als Dekoration an Hausfassaden oder in prächtigen Räumen, da sie zu schwer und uneben war, um sie tatsächlich im Theater zu tragen.
Ein weiterer römischer Fund ist ein sogenannter Gesichtskrug. Diese besondere Keramik, die oben in einem Frauengesicht endet, wurde in Worms hergestellt. In der Gegend der Schönauer Straße gab es damals ein Töpferviertel, das sich auf diese Krüge spezialisiert hatte. Ein solches Exemplar wurde 1920 auf dem Gräberfeld Bollwerk ausgegraben.
Neben römischen Schätzen zeigt das Museum auch Funde aus der Steinzeit. Ein Prunkbeil aus Jadeit, das 1890 bei Westhofen gefunden wurde, stammt aus der Zeit zwischen 4500 und 4000 v. Chr. Da das Material extrem hart ist und nur unter hohem Druck entsteht, war die Herstellung sehr aufwendig. Man vermutet, dass das Beil eher als Statussymbol und nicht zum Arbeiten genutzt wurde.
Wer sich für die Zeit der Reformation interessiert, findet im Museum ein Modell eines Kobelwagens. Er ist eine Nachbildung des Wagens, in dem Martin Luther im Jahr 1521 Worms verließ. Das Modell im Maßstab 1:4 zeigt, wie der Reformator damals reiste, bevor er auf seiner Flucht scheinbar entführt wurde, um auf der Wartburg in Sicherheit gebracht zu werden.
Die verschiedenen Objekte können in der Dauerausstellung oder in Wechselvitrinen im Museum im Andreasstift besichtigt werden.
Quelle: Worms – zur Originalmeldung