US-Rabbinerin sucht in Brühl ihre Wurzeln
Am Freitag, den 24. Juli 2026, empfing Bürgermeister Dr. Marc Prokop die US-amerikanische Rabbinerin Lizzi Heydemann im Brühler Rathaus (Rheinland-Pfalz). Die Rabbinerin kam extra aus Chicago, um mehr über ihre Vorfahren zu erfahren. Ihr Großvater Julius Heydemann war 1911 in Brühl geboren. Später floh die Familie vor den Nationalsozialisten über Kuba und Neuseeland in die USA.
Bevor der Besuch stattfand, hatte das Stadtarchiv Brühl intensiv recherchiert. Dabei kam heraus, dass Heydemanns Familie früher sehr wichtig für die Stadt war. Ihr Ur-Großvater Alfred Adolf Heydemann lebte in der Rheinstraße und leitete die Waggon-Leih-Anstalt. Noch weiter zurück liegt die Geschichte ihres Ur-Ur-Großvaters Samuel Levy. Er war Tierarzt und der erste Direktor des städtischen Schlachthofes. Levy war damals der einzige Jude in Brühl, der einen so hohen Posten in der Stadtverwaltung innehatte.
Besonders bewegend war die Geschichte des Ur-Ur-Ur-Großvaters David Fröhlich. Er war einer der reichsten jüdischen Bürger der Stadt und saß im Stadtrat. Fröhlich besaß eine Villa, die sogenannte Kellnerei, wo heute der Belvedere-Parkplatz ist. Er sorgte dafür, dass die jüdische Synagogengemeinde gegründet wurde, kaufte das Grundstück und ließ die Synagoge bauen. Doch im November 1938 steckten die Nationalsozialisten das Gebäude in Brand und zerstörten es komplett. Viele Menschen aus Brühl schauten damals zu, als das Gebäude brannte.
Lizzi Heydemann wusste vor ihrem Besuch nichts über diese Details. Sie war sichtlich bewegt, als sie erfuhr, wie wichtig ihr Vorfahre für die jüdische Gemeinde war. Sie selbst hat in Chicago ebenfalls eine jüdische Gemeinde gegründet.
Nach dem Termin im Rathaus besuchten die Rabbinerin und die Stadtvertreter die Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge, den jüdischen Friedhof und den Gedenkplatz für Helene und Paula Brünell. Außerdem schauten sie sich die Orte an, an denen ihre Familie früher gewohnt hatte. Heydemann sagte, dass sie nicht erwartet hatte, sich so stark mit der Stadt verbunden zu fühlen.
Bürgermeister Prokop betonte am Ende, wie wichtig diese Erinnerungen seien, besonders weil Antisemitismus wieder zunimmt. Die Stadt Brühl wird die Informationen aus dem Familienarchiv nun nutzen, um die lokale Geschichte weiter zu ergänzen.
Quelle: Brühl – zur Originalmeldung