Rommerskirchen: Bürgermeister warnt vor Lücken bei Stromversorgung
Die Bundesregierung will den Windstrom von der Nordsee in die Regionen bringen. Ein Teil davon ist die sogenannte „Windader West“. In Rommerskirchen (Rhein-Kreis Neuss, Nordrhein-Westfalen) soll dafür ein Erdkabel verlegt werden. Die Leitung führt von Norden nach Süden, meistens am Rand des Gemeindegebiets entlang.
Damit der Strom genutzt werden kann, muss er umgewandelt werden. Deshalb soll in der Nähe des Umspannwerks Rommerskirchen, unter anderem im Bereich Neurath, ein Konverter gebaut werden. Dieser wandelt den Gleichstrom aus der Nordsee in Wechselstrom um. Geplant ist das Ganze für das Jahr 2036.
Bürgermeister Martin Mertens sieht darin jedoch ein Problem. Er warnt vor einer gefährlichen Zeitlücke. Die Landesregierung will den Ausstieg aus der Braunkohle bis 2030 oder spätestens 2033 durchziehen. Der Windstrom aus der Nordsee kommt aber erst Jahre später an. Wenn man die Kohlekraftwerke zu früh abschaltet, bevor die neuen Netze und Speicher stehen, könnte die Versorgungssicherheit in Gefahr geraten.
Ein großes Problem sind laut Mertens die Lieferzeiten. Michael Stangel von „Westnetz“ erklärte auf einer Diskussion in Bedburg, dass man auf Trafo-Anlagen heute drei bis fünf Jahre wartet. Früher waren es nur wenige Monate. Auch beim Bau von Gaskraftwerken rechnet man mit fünf bis sieben Jahren. Verzögerungen bei der „Windader West“ seien daher sehr wahrscheinlich.
Für den Bürgermeister ist die Lage klar: Der Kohleausstieg und die erneuerbaren Energien sind richtig, aber die Praxis muss stimmen. Er will nicht, dass die Menschen in ihrer Heimat immer mehr Windräder sehen, während gleichzeitig die Netze fehlen, um neue Firmen und Arbeitsplätze anzusiedeln. Besonders am Standort Neurath sehe er große Chancen für neue Industrien und Rechenzentren, sofern die Energieversorgung sicher ist.
Mertens fordert deshalb, dass die Kraftwerke erst dann abgeschaltet werden, wenn die Versorgung ohne Kohle wirklich garantiert ist. Er appelliert an die Politik, sich an den technischen Realitäten zu orientieren und endlich schneller beim Netzausbau voranzukommen.