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Rommerskirchen: Bürgermeister kritisiert Verzögerung beim Kohleausstieg

Dr. Martin Mertens warnt vor unrealistischen Zeitplänen beim Ausstieg aus der Braunkohle. Er fordert mehr Ehrlichkeit von der Politik in Berlin und Düsseldorf.

In Rommerskirchen (Rhein-Kreis Neuss, Nordrhein-Westfalen) sorgt die aktuelle Energiepolitik für Unruhe. Das Bundes-Wirtschaftsministerium hat mitgeteilt, dass die Entscheidung über den vorgezogenen Kohleausstieg bis 2030 nun um mindestens ein halbes Jahr später fällt. Bürgermeister Dr. Martin Mertens sieht darin ein großes Problem für das Rheinische Revier.

Der Rathaus-Chef ärgert sich, dass wertvolle Zeit für einen geordneten Strukturwandel verloren geht. Ein wichtiger Abschlussbericht der Behörden fehlt noch. Zudem will man erst die Ergebnisse von drei Ausschreibungsrunden für neue Gaskraftwerke abwarten. Die erste Runde startet im September. Diese Kraftwerke sollen die Lücken füllen, wenn Wind und Sonne nicht genug Strom liefern. Bisher übernehmen diese Aufgabe die Braunkohlekraftwerke, wie etwa in Neurath.

Mertens rechnet die Zeitpläne genau durch. Bei einer Veranstaltung im Bedburger Schloss hatten Experten von RWE, Westnetz und dem Ministerium erklärt, dass der Bau eines Gaskraftwerks fünf bis sieben Jahre dauert. Wenn der Prüfbericht zum Abschalten der Kohlekraftwerke erst im Frühjahr 2027 vorliegt, könnten die Gas-Alternativen seiner Meinung nach erst zwischen 2034 und 2036 einsatzbereit sein. Zusätzlich braucht der Netzbetreiber Westnetz laut eigenen Angaben fünf bis zehn Jahre, um das Stromnetz anzupassen.

Deshalb hält der Bürgermeister Aussagen von Politikern wie Mona Neubaur, die das Ziel 2030 beibehalten wollen, für unrealistisch. Er nennt solche Versprechen „Pfeifen im Wald“. Für Mertens steht die Versorgungssicherheit an erster Stelle. Er warnt, dass davon abhängt, ob Unternehmen investieren, Arbeitsplätze entstehen und wichtige Dienste wie Krankenhäuser oder Feuerwehren zuverlässig arbeiten können.

In einem Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz, Ministerpräsident Hendrik Wüst und die Wirtschaftsministerinnen fordert er mehr Ehrlichkeit. Er betont, dass Physik nicht per politischem Beschluss geändert werden könne. Aus seiner Sicht können die Termine 2030 oder auch 2033 nicht gehalten werden, ohne den Wohlstand der Region zu gefährden. Der Umbau des Energiesystems müsse sich an der Realität orientieren und nicht an einem starren Datum im Kalender.

Quelle: Rommerskirchen – zur Originalmeldung

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