Rheingau-Taunus-Kreis will mehr Macht bei Tourismus-Vermarktung
Der Tourismus im Taunus soll künftig professioneller vermarktet werden. Deshalb will der Rheingau-Taunus-Kreis (Hessen) Gesellschafter einer geplanten neuen Firma werden, der Taunus Touristik Service GmbH (TTS GmbH). Diese soll den bisherigen Verein, den Taunus Touristik Service e.V., ablösen. Sowohl der Kreisausschuss als auch der Kreistag haben diesem Plan bereits mit großer Mehrheit zugestimmt.
Für den Kreis ist das eine wichtige wirtschaftliche Entscheidung. Tourismus bringt viel Geld in die Region. Allein Tagesgäste sorgen für rund 353 Millionen Euro Umsatz. Dazu kommen die Übernachtungsgäste, von denen es 2019 etwa 1,2 Millionen waren. Davon profitieren vor allem die Hotels, Restaurants und Geschäfte vor Ort. Besonders wichtig ist das für die Heilbäder Bad Schwalbach und Schlangenbad, den Naturpark Rhein-Taunus, den Limes sowie die Rad- und Wanderwege im Untertaunus.
Bisher hat der Kreis wenig zu sagen, da er nur etwa 6,6 Prozent der Kosten trägt. Der Hochtaunuskreis übernimmt dagegen rund 81 Prozent. Das soll sich ändern: Der Rheingau-Taunus-Kreis strebt einen Anteil von 19 Prozent an. Das ist fast das Dreifache des heutigen Wertes. Wer mehr Geld einbringt, darf in der neuen GmbH auch mehr mitbestimmen – zum Beispiel dabei, welche Themen in der Werbung vorkommen.
Landrat Sandro Zehner betont, dass der bisherige Verein an seine Grenzen stößt. Eine GmbH könne wirtschaftlicher handeln und klarere Entscheidungen treffen. Neben dem Rheingau-Taunus-Kreis sollen auch der Hochtaunuskreis, der Main-Taunus-Kreis, der Lahn-Dill-Kreis, der Landkreis Limburg-Weilburg und die Stadt Bad Nauheim Teil der Firma werden.
Die Finanzierung soll neu geregelt werden. Dabei spielen die Einwohnerzahl, die Übernachtungen und der wirtschaftliche Nutzen eine Rolle. Der Geldbedarf der neuen Gesellschaft wird auf etwa 1,2 Millionen Euro geschätzt. Für den Kreis bleiben die Beiträge in den ersten drei Jahren erst einmal gleich und steigen dann langsam an.
Jetzt ist die Gründung noch nicht beschlossen. Zuerst müssen die Satzung, der Wirtschaftsplan und das Finanzierungskonzept erstellt werden. Im Frühjahr 2027 entscheiden die Gremien dann endgültig über die Umsetzung. Wenn alles klappt, wird die GmbH spätestens am 31. August 2027 gegründet. Durch den aktuellen Grundsatzbeschluss entstehen dem Kreis erst einmal keine zusätzlichen Kosten, da der Verein die Vorbereitungen bezahlt.