München: Luxus-Neubau in Türkenstraße sorgt für Streit
In der Türkenstraße 52/54 (München) ist ein Projekt fertig geworden, das für viel Kritik sorgt. Mehrere Stadträte wollten wissen, wie es dazu kam, dass bezahlbarer Wohnraum für Luxus-Objekte weichen musste. Die Stadt hat nun detailliert geantwortet.
Die Geschichte begann 2007, als eine Investorengruppe sechs Häuser kaufte. Kurz darauf wurde der Denkmalschutz für fünf dieser Gebäude aufgehoben. Die Häuser wurden leer gemacht und 2019 schließlich abgerissen. Dabei verschwanden 53 bezahlbare Wohnungen. Auf dem Gelände entstand das Projekt „ENSEMBLE No. 52“. Dort werden nun „Wohnunikate“ mit Design-Saunen und Kaminen verkauft. Die Preise erreichen teilweise 30.000 Euro pro Quadratmeter.
Besonders heftig ist der Anstieg der Bodenpreise. Laut dem Bewertungsamt der Stadt lag der Wert des Grundstücks im Jahr 2007 bei etwa 8,75 Millionen Euro. Bis 2025 stieg dieser Wert auf rund 51 Millionen Euro. Das ist eine Steigerung von etwa 580 Prozent.
Auch die Größe des Neubaus sorgt für Fragen. Ursprünglich waren 3.510 Quadratmeter Wohnfläche geplant, am Ende wurden es 5.747 Quadratmeter. Die Stadt erklärt dies mit Optimierungen während des 13 Jahre dauernden Genehmigungsverfahrens. Dass das neue Gebäude höher ist als die Nachbarhäuser, sei rechtlich zulässig, da die Wand- und Firsthöhen in der Umgebung maßgeblich seien. Ob es sich um Luxuswohnungen handelt, spiele für die Baugenehmigung keine Rolle.
Ein weiterer Streitpunkt ist die Türkenstraße 54. Dieses Haus musste wegen des Denkmalschutzes erhalten bleiben. Dort stehen jedoch seit über sechs Jahren Wohnungen leer. Das Sozialreferat sieht diesen Leerstand als gerechtfertigt an, da im Haus saniert und modernisiert wird. Bußgelder gegen die Eigentümer wurden nicht verhängt.
Der Oberbürgermeister bezeichnet den Fall als Beispiel dafür, wie schwach die gesetzlichen Instrumente gegen Spekulation und die Verdrängung von Mietern sind. Er fordert ein soziales Bodenrecht, um solche Entwicklungen zu stoppen. Die Baustelle vor dem Haus beansprucht seit September 2020 eine Fläche von 320 Quadratmetern. Geplant ist, dass die Arbeiten bis zum 31. März 2026 beendet sind.
Die Stadt betont, dass sie die Mieter in der Türkenstraße 54 nicht direkt vor einer Verdrängung schützen kann, da die vorhandenen Satzungen hierfür nicht ausreichen. Betroffene können sich an die städtische Beratungsstelle in der Franziskanerstraße 8 wenden.
Quelle: München – zur Originalmeldung