Landkreis Rastatt blickt auf erste Kreisbeschreibung zurück
Im Jahr 1881 veröffentlichte der Hauptlehrer Philipp Reinmuth das Werk „Der Amtsbezirk Rastatt“ (Landkreis Rastatt, Baden-Württemberg). Das Buch war damals als Hilfsmittel für den Lehrplan der badischen Volksschulen gedacht. Reinmuth, der selbst in der Rastatter Herrenstraße wohnte, wollte Schülern und Lehrern eine Grundlage für die Heimatkunde bieten. Das Heft war mit 46 Seiten recht kurz, gilt aber laut Kreisarchivar Martin Walter als die erste Beschreibung des heutigen Landkreises.
In dem Buch beschrieb Reinmuth die Region in elf Abschnitten. Er ging auf die Lage, die Grenzen, den Boden und das Klima ein. Auch die Verwaltung des damaligen Amtsbezirks hielt er fest. Das heutige Landratsamt wurde damals als großherzogliches Bezirksamt geführt. An der Spitze stand von 1874 bis 1886 der in Mannheim geborene Karl Richard, der den Titel „Stadtdirektor“ trug. Unterstützt wurde er von einem Amtmann, einem Referendär sowie Registratoren und Aktuaren.
Ein großer Teil des Buches widmete sich den damals 45 Städten und Gemeinden. Dass das Werk wirklich für den Unterricht gedacht war, zeigen die Fragen am Ende der Abschnitte, die die Schüler beantworten mussten. Verlegt wurde das Buch vom Verlag Wilhelm Hanemann und gedruckt von Johann Georg Vogel. In den Zeitungen, etwa im „Murgtäler Boten“ im August 1880, wurde das kartonierte Exemplar für 50 Pfennig beworben. Auch die Schulaufsicht empfahl das Buch damals ausdrücklich für die Schulbibliotheken.
Erst 45 Jahre später, im Jahr 1926, erschien mit der „Heimatkunde vom Amtsbezirk Rastatt“ des Lehrers Engelbert Spitz ein deutlich ausführlicheres Werk mit 233 Seiten. Die Originalausgaben von Reinmuth sind heute sehr selten. Wie viele Exemplare damals gedruckt wurden, ist nicht bekannt. Um das Wissen zu bewahren, ließ das Kreisarchiv im Jahr 2009 insgesamt 300 Exemplare als Faksimile-Druck anfertigen.