Landkreis Harburg feiert 15 Jahre Krisendienst
Krisen halten sich nicht an feste Uhrzeiten oder Öffnungszeiten von Behörden. Genau deshalb wurde im Landkreis Harburg (Niedersachsen) im Jahr 2011 der Sozialpsychiatrische Krisendienst ins Leben gerufen. Damals gab es außerhalb der normalen Arbeitszeiten kaum professionelle Hilfe für Menschen in psychischen Notlagen.
Kürzlich trafen sich mehr als 160 Leute zum Verbundtag des Sozialpsychiatrischen Verbundes, um dieses 15-jährige Bestehen zu feiern. Dabei wurde deutlich, wie wichtig das Angebot ist. Die Zahlen zeigen den Trend: Während es früher rund 550 Fälle waren, haben im letzten Jahr über 700 Menschen die Hilfe des Dienstes in Anspruch genommen.
Die Experten erklären, dass oft schon das Wissen um das Angebot hilft, auch wenn man nicht sofort anruft. Kreisrätin Ana Cristina Bröcking betonte beim Fest, dass solche niederschwelligen Hilfen kein Luxus sein dürfen. Es gehe um Menschen, bei denen man nicht nur auf die Kosten schauen könne. Auch für die Angehörigen der Erkrankten sei der Dienst eine enorme Entlastung.
Meistens reicht ein Telefonat aus, um die Situation zu klären. In etwa zehn Prozent der Fälle fahren die Mitarbeitenden direkt zu den Betroffenen nach Hause. Das Ziel ist es, die Lage vor Ort zu beruhigen und so zu verhindern, dass die Menschen direkt in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden müssen.
Für die Zukunft gibt es jedoch Herausforderungen. Dr. Peter Schlegel, der Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes, sieht Probleme bei den Unterbringungsmöglichkeiten für Einweisungen. Zudem nehmen die Krisen in Geflüchtetenunterkünften zu.
Wer Hilfe braucht, kann den Krisendienst unter der Nummer 0170/480 6136 erreichen. Werktags ist die Leitung von 16 bis 22 Uhr besetzt. An Wochenenden und gesetzlichen Feiertagen ist der Dienst bereits ab 14 Uhr bis 22 Uhr erreichbar.