Kirchanschöring: Exkursion zeigt Schätze am Wegesrand
Ein paar Regentropfen konnten die Teilnehmer der Exkursion am 9. Juli 2026 nicht aufhalten. Unter bunten Regenschirmen spazierten die Besucher über den Schröckenbauer-Hof in Taching am See (Gemeinde Kirchanschöring, Landkreis Traunstein). Die Tour gehörte zu den sogenannten „BiOS-Erlebnissen“ der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel. Das Ziel war es, den Wegesrand als wichtigen Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu entdecken.
Die Gastgeber Christine Schachenmeier und Frank Filliung bewirtschaften den Biohof seit 2002. Sie haben in den letzten 20 Jahren über 100 Obstbäume gepflanzt. Dabei setzen sie auf alte und seltene Sorten wie den Zitronenapfel oder den Grünen Rambur. Manche dieser Bäume sind so selten, dass ihre genaue Bestimmung fast wie Detektivarbeit ist, da es weltweit keine einheitlichen Datenbanken gibt.
Während des Rundgangs erklärten Experten wie Oliver Kattner vom Landschaftspflegeverband Traunstein und Kreisfachberater Markus Breier, warum „Unordnung“ eigentlich gut ist. Weg- und Feldränder dienen als grüne Korridore, die verschiedene Lebensräume verbinden. Besonders wichtig sind trockene Stellen, an denen abgestorbene Stängel über den Winter stehen bleiben. Dort überwintern sogenannte Hochverpupper. Wer im Herbst alles radikal abmäht, zerstört damit die Kinderstube vieler Insekten.
Auch alte Strukturen wie Hohlwege erwiesen sich als wertvoll. In den Erdwänden finden Grillen und Hummeln ideale Nistplätze, während alte Mäuselöcher als Winterquartiere für Nützlinge dienen. Neben den Insekten stach eine mächtige, mindestens 150 Jahre alte Eiche mit einem Stammumfang von viereinhalb Metern hervor. Die Gruppe beobachtete zudem zahlreiche Wildblumen wie die tiefblaue Wegwarte, Gelben Klee und Schafgarbe.
Zum Abschluss gab es bei Kaffee, Tee und selbstgebackenem Zwetschgendatschi Zeit für Gespräche. Die Teilnehmer konnten so lernen, dass ein wenig mehr Raum für die Natur eine große Vielfalt an Leben ermöglicht.