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Immenstadt plant neuen Kurs für den Stadtwald

Copyright und Urheber siehe Immenstadt im Allgäu

Die Stadt setzt auf eine Mischung aus Naturschutz und Holzgewinnung. Ein langfristiger Fahrplan soll den Wald fit für die nächste Generation machen.

Wer in Immenstadt (Landkreis Oberallgäu, Bayern) am Waldrand der Hirschlache spazieren geht, findet dort ein Schild zum Felssturzgebiet. Die Landschaft dort ist besonders: Vor fast 700 Jahren gab es ein schweres Erdbeben in Kärnten, das einen gewaltigen Felssturz auslöste. Bis heute sieht man dort tiefe Gräben und riesige Felsbrocken. Zwischen Buchen und Fichten liegen oft umgestürzte Bäume, was dem Ganzen eher etwas von einem Urwald als von einem normalen Wirtschaftswald gibt.

Genau diese wilden Strukturen will die Stadt künftig stärker nutzen. Dafür gibt es nun eine sogenannte integrierte Forsteinrichtung. Das ist im Grunde ein langfristiger Fahrplan für die Entwicklung des Waldes. Zum ersten Mal werden dabei die Ziele der Forstwirtschaft und des Naturschutzes gemeinsam geplant. So soll der Wald gleichzeitig als Lebensraum für Tiere, als Schutzwald, als Ort für Spaziergänger und als Quelle für Holz funktionieren.

Die Stadt hat diesen Schritt freiwillig gemacht, obwohl sie dazu nicht verpflichtet wäre. Die Planung für den Zeitraum von 2025 bis 2044 wurde mit Hilfe der Fachstelle für Waldnaturschutz aus Kempten erstellt. Stadtförster Gerhard Honold betont, dass man nicht nur für die nächsten fünf Jahre plant, sondern für die nächste Generation.

Besonders wichtig sind dabei bestimmte Tier- und Pflanzenarten. Das Auerhuhn, der Dreizehenspecht, der Weißrückenspecht und seltene Käfer dienen als Orientierung. Auch der historische Eichen-Hutewald am Kalvarienberg wird geschützt. Damit die Tiere Rückzugsorte haben, bleiben Biotopbäume und tote Stämme bewusst im Wald liegen. Das sieht zwar manchmal chaotisch aus, ist aber wichtig für die Natur.

Auch bei der Jagd gibt es Änderungen. Die Stadt bewirtschaftet und bejagt die Flächen nun selbst. Das Ziel ist, dass junge Bäume, vor allem die Weißtanne, nicht zu stark von Wildtieren verbissen werden. So entsteht ein stabiler Mischwald, der besser mit dem Klimawandel klarkommt.

Die Zahlen zeigen, dass das Konzept funktioniert: Jährlich wachsen im Stadtwald rund 8.500 Festmeter Holz nach, entnommen werden nur etwa 7.500 Festmeter. Man lebt also vom Zuwachs und nicht vom Bestand. Für diese Arbeit hat die Stadt bereits 2019 den Bayerischen Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung erhalten.

Quelle: Immenstadt im Allgäu – zur Originalmeldung

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