Hessen geht gegen gemietete Gewalt und Frauenhass vor
Die hessische Justiz nimmt neue Formen von Kriminalität ins Visier. Im Zentrum steht dabei das sogenannte „Violence as a Service“. Das bedeutet: Kriminelle kaufen im Internet Dienstleistungen, um Gewalttaten oder Brandanschläge durch Dritte ausführen zu lassen. Da die Täter oft bezahlt werden, ist es für die Ermittler schwer, den eigentlichen Grund für die Tat oder die Hintermänner zu finden.
Um diese Netzwerke zu knacken, arbeiten die Staatsanwaltschaften in Hessen eng mit dem BKA, Europol und den Behörden in den Niederlanden zusammen. Das ist wichtig, weil die Täter – oft Minderjährige – häufig aus den Niederlanden zu ihren Einsatzorten in Hessen gebracht werden. Diese Zusammenarbeit hat bereits zu mehreren Durchsuchungen und Erfolgen bei den Ermittlungen geführt. Zuständig für diese Fälle sind die Staatsanwaltschaften sowie die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Schutz von Frauen. Bisher gab es eine Beauftragte nur für Straftaten mit Catcalling-Hintergrund. Diese Stelle wurde im März erweitert. Hanna Faust ist nun als Beauftragte für die Verfolgung von Straftaten mit frauenfeindlichem Hintergrund zuständig. Sie soll als zentrale Ansprechpartnerin für die Staatsanwaltschaften dienen. Ihr Fokus liegt dabei vor allem auf digitaler Gewalt, wie etwa Deepfakes, Stalking oder häuslicher Gewalt.
Zusätzlich will die Justiz mehr Nachwuchs gewinnen. Am Amtsgericht Offenbach und am Amtsgericht Hanau wird gemeinsam ausgebildet. Bis zum 1. September 2027 sollen dort voraussichtlich acht neue Justizfachangestellte starten. Die Bewerbungsphase für diese Stellen hat gerade erst begonnen.
Ob und inwieweit die neuen Maßnahmen zur Frauensicherheit und die internationale Jagd auf die „Gewalt-Dienstleister“ die Kriminalitätszahlen senken, wird erst in den kommenden Monaten sichtbar werden.