Viersen: Neues Buch zeigt Alltag vor 300 Jahren
Wer wissen will, wie die Menschen in Viersen (Kreis Viersen, Nordrhein-Westfalen) vor über 300 Jahren gelebt haben, kann nun in ein neues Buch schauen. Das Kreisarchiv hat den sechsten Band seiner sogenannten „Kleinen Reihe“ herausgebracht. Der Autor Herbert J.K. Söthe hat sich für dieses Werk die Protokolle des Schöffengerichts aus den Jahren 1700 bis 1739 vorgenommen.
In den alten Aufzeichnungen steht nicht nur, wer verurteilt wurde. Sie zeigen vor allem, was die Leute damals bewegt hat. Es ging oft um Streit über Besitz, Erbschaften oder Schulden. Auch Verträge, die nicht eingehalten wurden, landeten vor den Schöffen. Manchmal gab es aber auch Ärger mit der Obrigkeit. Ein Beispiel: Es gefiel den Verantwortlichen gar nicht, wenn die Leute während des Gottesdienstes in den Gasthäusern tranken und spielten.
Marcus Ewers vom Kreisarchiv erklärt, dass diese Protokolle das Alltagsleben oft direkter zeigen als andere alte Listen oder Kirchenbücher. Die Urteile und die Versuche, Streit durch Vergleiche zu schlichten, basierten damals auf dem Geldrischen Stadt- und Landrecht von 1620. Dieses Recht galt in der Region sogar noch eine Zeit lang weiter, nachdem Geldern im Jahr 1713 an Preußen übergegangen war.
Das Buch ist 492 Seiten stark und kostet 14 Euro. Man kann es direkt im Kreisarchiv Viersen kaufen. Wer kein Geld ausgeben möchte, kann sich die Publikation auch kostenlos auf der Internetseite des Kreisarchivs herunterladen.