Taucha testet neue Schutzstreifen für Radfahrer
In Taucha (Sachsen) gibt es eine neue Verkehrsführung auf der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Merkwitz und Seegeritz. Dort wurden nun sogenannte Radschutzstreifen markiert. Normalerweise kennt man diese Lösung aus Städten, wo kaum Platz für richtige Radwege ist. Jetzt wird zum ersten Mal in Sachsen geprüft, ob das auch auf Landstraßen funktioniert.
Die Straße wurde im letzten Jahr bereits saniert und verbreitert. Eigentlich wollte die Gemeinde dort einen richtigen Radweg bauen, der baulich vom Autoverkehr getrennt ist. Das klappte bisher aber nicht, weil es Probleme beim Kauf der nötigen Grundstücke gab. Damit die Radfahrer trotzdem sicherer unterwegs sind, gibt es nun diesen Verkehrsversuch, der für zweieinhalb Jahre geplant ist.
Das neue System sieht so aus: Auf beiden Seiten der Straße gibt es nun zwei Meter breite Schutzstreifen. Die Fahrbahn in der Mitte für die Autos ist dadurch schmaler geworden. Damit alles sicher läuft, dürfen die Autos dort nur noch maximal 50 km/h fahren. An den Ortseingängen gibt es zudem rot markierte Bereiche, die wie ein Tor wirken sollen. Infotafeln erklären den Fahrern, wie sie sich auf der Strecke verhalten sollen.
Das Modell kommt aus den Niederlanden und funktioniert dort schon lange. Eine Besonderheit gibt es beim Überholen: Weil die mittlere Fahrspur so schmal ist, dürfen Autos die Schutzstreifen befahren, wenn zwei Fahrzeuge aneinander vorbeiwollen. Wenn aber gerade ein Radfahrer dort fährt, müssen die Autos hinter ihm warten.
Bürgermeister Tobias Meier möchte nicht am Schreibtisch entscheiden, sondern in der Praxis sehen, ob die Situation für die Radfahrer wirklich besser wird. Deshalb wird das Ganze wissenschaftlich begleitet. Die Firma LISt GmbH unterstützt die Stadt dabei. Es wird untersucht, ob die Sicherheit steigt und wie die Autofahrer und Radfahrer das neue System finden. Auch Schüler aus Taucha sollen per Fragebogen berichten, wie sie die Strecke erleben.
Ob die Lösung dauerhaft bleibt, hängt von den Ergebnissen des Versuchs ab. Die Ermittlungen zur Sicherheit und Akzeptanz dauern über den Zeitraum von zweieinhalb Jahren an.