Schüler aus Delbrück auf Spurensuche nach Zwangsarbeitern
Im Juni haben sich Schülerinnen und Schüler des Städtischen Gymnasiums Delbrück (Kreis Paderborn, Nordrhein-Westfalen) mit dem Experten Martin Kolek auf den Weg gemacht. Die Jugendlichen gehören zur Geschichts-AG und nehmen an dem Projekt „Memory Maker“ teil. Dabei geht es darum, die Zeit zwischen 1939 und 1945 zu beleuchten und das Leben von Zwangsarbeitern sowie Kriegsgefangenen aus Polen und der Sowjetunion zu verstehen.
Die Tour startete an der Ladestraße direkt beim Gymnasium. Martin Kolek erzählte den Jugendlichen von der Zeit vor 1933 und der alten Bahntrasse zwischen Rheda-Wiedenbrück und Sennelager. Danach ging es weiter zum alten Schulgebäude in der Marktstraße. Dort erfuhren die Schüler durch Berichte von Zeitzeugen, was an diesem Ort passiert ist. An verschiedenen Stellen im Stadtbild erklärte Kolek, welche Gebäude früher dort standen und was sich über die Jahre verändert hat.
Ein wichtiger Punkt auf dem Rundgang war der Kirchplatz. Hier sprach Kolek darüber, wie sich die Delbrücker Bevölkerung und die katholische Kirche lange Zeit gegen den Einfluss der Nationalsozialisten gewehrt hatten. Die Nazis hatten es vor allem auf die religiösen Traditionen abgesehen, wie etwa die Fronleichnamsprozessionen oder das Läuten der Kirchenglocken.
Besonders bewegend wurde es auf dem Friedhof in Delbrück. Dort liegen 17 Männer und zwei Frauen begraben, die als Zwangsarbeiter in der Region waren. Auch ein Grabstein für einen unbekannten russischen Soldaten ist dort zu finden. Die Jüngsten waren erst 21 Jahre alt. Die Schüler zündeten an jedem Grab eine Kerze an, während Martin Kolek die Namen der Verstorbenen vorlas.
Zum Abschluss besuchte die Gruppe das Stadtarchiv in der Marktstraße. Die Schüler besichtigten die Kellerräume, die früher als Luftschutzräume dienten und heute die Akten beherbergen. In diesen Unterlagen hatte Martin Kolek für sein Buch über die Zwangsarbeiter in Delbrück recherchiert. Die Jugendlichen konnten selbst in historische Dokumente schauen und so die Geschichte hautnah erleben.
Weitere Angaben liegen bislang nicht vor.
Quelle: Delbrück – zur Originalmeldung