Saulheim: Der Lange Stein als Denkmal der Jungsteinzeit
In Saulheim (Landkreis Alzey-Worms, Rheinland-Pfalz) steht ein besonderes Stück Geschichte: der sogenannte Lange Stein. Der riesige Monolith ist 3,7 Meter hoch und damit der größte Menhir in ganz Rheinhessen. Er stammt vermutlich aus der Jungsteinzeit, also aus der Zeit zwischen 5600 und 2200 vor Christus. Der Stein besteht aus Rhyolith, der wahrscheinlich vom Donnersberg herangeholt wurde. Damals transportierten die Menschen den schweren Block vermutlich mit Hilfe von Baumstammrollen.
Was genau der Stein damals bedeuten sollte, weiß heute niemand mehr genau, da die Menschen damals keine Schrift hatten. Forscher vermuten aber, dass er eine religiöse Funktion hatte. Er könnte eine Kult- und Opferstätte gewesen sein oder als eine Art Ersatz für die Seele eines Vorfahren gedient haben. Später wurde der Ort wohl auch für Versammlungen, als Gerichtsstätte oder einfach als Wegmarkierung genutzt.
Auch die Kirche versuchte später, den heidnischen Brauch zu stoppen. Im 8. Jahrhundert warnten Mönche davor, Gebete an solche Steine zu richten. Später, in der Spätgotik, meißelte man eine Nische in den Stein. Dort stand wohl früher eine Heiligenfigur, heute findet man dort ein Bild der Maria.
Ein besonders dramatisches Ereignis passierte im Jahr 1883. Der damalige Besitzer, Johann Köster, glaubte, unter dem Stein liege ein Schatz begraben. Er grub den Monolithen frei, doch dabei passierte ein Unglück: Der Stein stürzte um und erschlug zwei junge Männer. Erst 1886 wurde das Denkmal wieder aufgerichtet und offiziell unter Schutz gestellt.
Die Gegend rund um den Langen Stein ist geschichtlich extrem bedeutend. Bei Bauarbeiten an Straßen und der Autobahn fand man immer wieder Spuren von Siedlungen und Gräbern aus der Eisenzeit und der Römerzeit. Sogar eine alte römische Straße verlief direkt am Stein vorbei – heute ist das die L401.
Quelle: Saulheim – zur Originalmeldung