Rudolstadt erinnert an Staatsminister Hermann von Bertrab
Hermann von Bertrab war eine prägende Figur für Rudolstadt (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, Thüringen). Er kam im Jahr 1851 im Alter von 33 Jahren in die Stadt. Zuvor hatte der Jurist aus Göttingen eine steile Karriere hinter sich und war unter anderem Oberstaatsanwalt in Eisenach gewesen. Fürst Friedrich Günther berief ihn nach Rudolstadt, wo er schließlich bis zu seinem Tod im Jahr 1887 an der Regierungsspitze blieb.
Insgesamt 36 Jahre lang bestimmte Bertrab die Geschicke des Landes. Er diente drei verschiedenen Fürsten und stieg vom Verwaltungsbeamten zum Staatsminister auf. In diese Zeit fielen gewaltige Umbrüche in Deutschland, wie die Gründung des Kaiserreiches 1871. Bertrab steuerte den kleinen Staat geschickt durch diese Phase. Er suchte die Nähe zu Preußen und sorgte dafür, dass Schwarzburg-Rudolstadt trotz der Einigung Deutschlands in Bereichen wie Steuern und Justiz eigenständig blieb.
Seine politische Linie war dabei nicht immer einheitlich. Zunächst schränkte er liberale Rechte wieder ein und führte ein Wahlrecht ein, das den Reichen mehr Macht gab. Doch als der Staat 1870 in eine schwere Finanzkrise geriet und fast zahlungsunfähig war, zeigte er sich pragmatisch. Er führte ein moderneres Wahlgesetz ein, bei dem zwölf Abgeordnete nun frei und gleich gewählt wurden.
Auch privat hinterließ er Spuren in der Stadt. Als Katholik in einem lutherischen Land verbesserte er die Lage der katholischen Minderheit. Er unterstützte den Bau der St. Marien Kirche in der Caspar-Schulte-Straße. Zudem interessierte er sich für Kunst und schenkte dem Fürsten einen spätgotischen Flügelaltar aus dem 15. Jahrhundert.
Die Stadt erkannte seine Verdienste schon früh an und machte ihn bereits 1856 zum Ehrenbürger. Als er am 2. Dezember 1887 starb, war er immer noch im Amt. Er hatte den Staat durch die Zeit der großen Umbrüche geführt und ihm so das Überleben gesichert.
Quelle: Rudolstadt – zur Originalmeldung