Rudolstadt erinnert an Schillers Tochter und Schwiegersohn
Rudolstadt (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, Thüringen) blickt in seiner aktuellen Porträt-Reihe auf zwei besondere Persönlichkeiten zurück: Emilie und Adalbert von Gleichen-Rußwurm. Das Ehepaar wurde bereits im März 1856 zu Ehrenbürgern der Stadt ernannt. Dabei ging es der Stadt damals nicht um Politik oder Geld, sondern um die tiefe Verbindung zur Familie von Friedrich Schiller.
Emilie war die jüngste Tochter des berühmten Dichters. Da ihr Vater starb, bevor sie ein Jahr alt war, kannte sie ihn nicht persönlich. Trotzdem widmete sie einen Großteil ihres Lebens der Erinnerung an ihn. Sie sammelte Briefe und Tagebücher ihres Vaters, ordnete sie und machte sie für die Öffentlichkeit zugänglich.
Ihr Mann, Adalbert von Gleichen-Rußwurm, unterstützte sie dabei. Er war bereits vor der Hochzeit mit der Familie Schiller verbunden, da der Dichter sein Taufpate war. Gemeinsam bauten die beiden auf Schloss Greifenstein in Unterfranken ein privates Archiv auf. Das Haus wurde so zu einem wichtigen Ort für alle, die über Schiller forschen wollten.
Für Rudolstadt war diese Arbeit besonders wichtig. Schiller hatte 1788 entscheidende Monate in der Stadt und im Ortsteil Volkstedt verbracht. Hier vertiefte er die Beziehung zu Charlotte von Lengefeld, der Mutter von Emilie. Zudem trafen sich Schiller und Goethe zum ersten Mal in Rudolstadt im Hause Lengefeld.
Im Jahr 1856 veröffentlichte Emilie einen Briefwechsel zwischen ihrem Vater und ihrer Mutter. Damit rückte sie die Landschaft und die Orte im Saaltal wieder ins Rampenlicht der Literaturgeschichte. Die Stadt Rudolstadt erkannte diese Leistung mit der Ehrenbürgerwürde an. Emilie arbeitete trotz einer zunehmenden Erblindung bis zu ihrem Tod im Jahr 1872 an dem Nachlass weiter. Ihr Mann starb später, im Jahr 1887.
Die Stadt nutzt diese Geschichten heute, um ihre Rolle als „Schillerstadt“ zu unterstreichen. Es geht darum, dass die Erinnerung an den Dichter nicht nur durch seine Werke, sondern auch durch die Menschen lebendig blieb, die seine privaten Aufzeichnungen retteten.
Quelle: Rudolstadt – zur Originalmeldung