Nienburg/Weser: Historische Unterlagen zu Kriegsgefangenenlagern gesichert
Hans-Jürgen Sonnenberg aus Langendamm hat sich über viele Jahre hinweg intensiv mit einem dunklen Kapitel der Stadtgeschichte befasst. Er erforschte die Zeit der Kriegsgefangenenlager in Nienburg (Niedersachsen). Dabei ging es vor allem um das Mannschaftsstammlager Stalag X C und das Offizierslager Oflag X B. Die Lager befanden sich damals dort, wo heute die Helios-Kliniken stehen bzw. an der Ziegelkampstraße.
Das Stalag X C war eine wichtige Station für etwa 45.000 Gefangene aus bis zu 15 verschiedenen Ländern, wobei die meisten aus Frankreich kamen. Sonnenberg hat nicht nur die Organisation der Lager untersucht, sondern vor allem die Einzelschicksale der Menschen dokumentiert. Er hielt fest, wie die Gefangenen und Zwangsarbeiter lebten und in welchen Arbeitskommandos sie im Kreis Nienburg eingesetzt wurden. Diese Leute mussten oft in Fabriken oder in der Landwirtschaft schuften.
Seine Arbeit war so detailliert, dass viele Nachfahren der Gefangenen ihn um Hilfe baten. Sonnenberg konnte ihnen oft beweisen, wo ihre Vorfahren genau waren und unter welchen Bedingungen sie gearbeitet haben. Er schrieb dazu zwei Bücher, die mittlerweile vergriffen sind. Eines befasste sich mit der Struktur der Lager, das andere mit der Verteilung der Arbeitskommandos von Anderten bis Woltringhausen.
Nun hat der Forscher einen großen Teil seiner gesammelten Unterlagen und Dokumente an das Stadt- und Kreisarchiv von Nienburg übergeben. Damit ist sichergestellt, dass dieses Wissen nicht verloren geht. Die Stadt bereitet die Materialien nun erst einmal archivgerecht auf. Die Papiere kommen in säurefreie Mappen und spezielle Kartons, damit sie lange halten. Danach werden die Daten in die Archivdatenbank eingetragen.
Das Ziel ist es, dass die Unterlagen später auch online für alle recherchierbar sind. So können auch künftige Generationen und Historiker die Schicksale der Menschen in den Lagern weiter erforschen.