Landkreis Freising will Hausärzte-Mangel mit neuem Verbund stoppen
Im Landkreis Freising (Oberbayern) wird es für junge Mediziner attraktiver, in der Region zu arbeiten. Das Klinikum Freising und mehrere Lehrpraxen haben eine neue Kooperationsvereinbarung unterschrieben. Landrätin Susanne Hoyer hat dabei die Schirmherrschaft übernommen. Es geht darum, die medizinische Versorgung vor Ort zu retten, besonders auf dem Land.
Die Zahlen hinter dem Plan sind deutlich: Aktuell gibt es im Landkreis rund 113 Hausärzte. Das Problem ist das Alter. Im Schnitt sind die Ärzte 55 Jahre alt. Schon 42 von ihnen sind über 60. Da die Bevölkerung wächst und älter wird, drohen Lücken in der Versorgung. Besonders in Moosburg ist die Lage ernst; dort stuft die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) die Region bereits als unterversorgt ein. Manche Praxissitze bleiben dort einfach leer.
Um das zu ändern, wurde der Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Freising ausgebaut. Das Netzwerk wächst nun auf elf Lehrpraxen an. Neu dabei sind zwei Praxen in Moosburg (Dr. Strasser) und Au (Dr. Kufner) sowie eine neurologische Facharztpraxis aus Freising (Dr. Çatak und Dr. Reif). Die jungen Ärzte lernen so sowohl im Krankenhaus als auch direkt in den Praxen. Durch gemeinsame Fortbildungen, sogenannte Lunch-Zirkel, und den Austausch zwischen den Kollegen sollen sie frühzeitig an den Landkreis gebunden werden.
Ein besonderer Erfolg ist eine Zertifizierung, die der Verbund von der Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin Bayern (KoStA) erhalten hat. Erst zwei Verbünde in ganz Bayern haben diesen Qualitätsnachweis. Geleitet wird das Ganze von Dr. Jessica Bungartz-Çatak und PD Dr. Markus Neumaier vom Klinikum Freising. Dr. Martin Kawald sorgt zudem als Chefarzt der Notaufnahme für die Verbindung zwischen Klinik und Praxis.
Trotz des Erfolgs gibt es Probleme. Die Beteiligten kritisieren, dass die staatlichen Fördermittel für die Ausbildung im Krankenhaus nicht ausreichen und die Kliniken viel Geld selbst bezahlen müssen. Zudem frisst die Bürokratie Zeit, die eigentlich für die Patienten gedacht wäre.
Wer mehr über die Möglichkeiten wissen will, kann die Webseite www.wbvfreising.de besuchen.