Landkreis Darmstadt-Dieburg macht Bäche wieder naturfreundlicher
Ein Bach ist mehr als nur fließendes Wasser. Er ist ein Zuhause für viele Tiere und wichtig für den Wasserhaushalt in der Gegend. Doch in der Vergangenheit hat man viele Bäche im Landkreis Darmstadt-Dieburg (Hessen) begradigt, mit Beton befestigt oder sogar komplett in Rohre verlegt. Dadurch sind wichtige natürliche Strukturen verloren gegangen.
Jetzt setzt der Landkreis auf die sogenannte Renaturierung. Das Ziel ist einfach: Die Bäche sollen sich wieder so entwickeln, wie es die Natur vorsieht. Das bedeutet, dass die Betten abwechslungsreicher werden. Es gibt dann wieder flache Stellen, tiefe Löcher und Ufer, die mit Pflanzen bewachsen sind. Besonders wichtig ist die Durchgängigkeit. Das heißt, Fische und andere kleine Tiere sollen ohne künstliche Hindernisse durch das Wasser schwimmen können.
Damit das klappt, sitzen die Experten nicht nur im Büro. Bei sogenannten Gewässerschauen gehen sie direkt vor Ort an die Bäche. Sie prüfen, wo Ufer zu stark befestigt sind oder wo Hindernisse im Weg stehen. Bei der Planung müssen sie aber auf alles achten: Der Naturschutz ist wichtig, aber auch der Hochwasserschutz, die Landwirtschaft und die angrenzenden Grundstücke dürfen nicht vernachlässigt werden.
In der Region gibt es bereits konkrete Beispiele. In Groß-Zimmern wurde am Katzengrabenwehr eine Anlage gebaut, mit der Fische wieder zwischen dem Katzengraben und der Gersprenz hin- und herwandern können. Auch der Erbsenbach wurde in Groß-Zimmern renaturiert, während in Roßdorf eine Verlegung des Bachs geplant ist. Am Beerbach, der in Seeheim-Jugenheim entspringt und durch Nieder- und Ober-Beerbach fließt, wurden künstliche Barrieren wie Wehre oder Rohre entfernt. Auch am Wembach in Reinheim wurden Teile des Bachs naturnäher gestaltet.
Diese Maßnahmen helfen nicht nur den Tieren. Wenn ein Bach mehr Platz hat und sich natürlich entwickelt, kann er das Wasser länger in der Landschaft halten. Das hilft dabei, Hochwasser besser in den Griff zu bekommen. Die drei Bäche gehören zum hessischen Programm „100 Wilde Bäche“, das die Gemeinden bei diesen Projekten unterstützt.
Da jeder Bachabschnitt anders ist, gibt es keinen fertigen Bauplan. In bebauten Gebieten sind die Möglichkeiten anders als auf freien Feldern. Die Fachleute des Landkreises prüfen daher jeden Abschnitt einzeln und begleiten die Projekte rechtlich und fachlich. Wer mehr über die Projekte wissen will, findet Informationen auf der Internetseite wildebaechehessen.de.