Hemmingen rettet alte Apfelsorten vor dem Aussterben
In Hemmingen (Landkreis Ludwigsburg, Baden-Württemberg) setzen sich Eric Raasch und der Ortspomologe Matthias Braun für den Erhalt alter Obstsorten ein. Das Projekt „Sortenerhalt Hemmingen“ startete bereits 2018. Damals pflanzten die beiden zusammen mit vier örtlichen Vereinen vier Luikenapfelbäume am Eulenberg.
Das Ziel der beiden Enthusiasten ist es, unbekannte Apfel- und Birnensorten an uralten Bäumen in Hemmingen und Heimerdingen zu finden. Wenn sie eine interessante Sorte entdecken, gewinnen sie sogenannte Reiser. Das sind junge Triebe, die sie auf neue Bäume veredeln. So stellen sie sicher, dass die ortstypischen Sorten nicht verschwinden. Am Ende wollen sie aus den Früchten hochwertige Produkte herstellen, um die Bedeutung dieser kulturhistorischen Bäume zu zeigen.
Ein besonderes Highlight ist der Luikensortengarten. Dieser wurde im März 2021 zwischen dem Wengertweg und der Bahnlinie Richtung Schwieberdingen ins Leben gerufen. Dort wurden zunächst drei verschiedene Luikentypen gepflanzt. Im Januar 2022 kam der „Heslacher Luiken“ hinzu. Die Triebe dafür stammten von einem 100 Jahre alten Baum aus Heimerdingen.
Aktuell konzentriert sich das Projekt auf den „Hemminger Blauluiken“. Dieser Baum steht zwischen der Hälde und dem Schlosspark direkt am Bahngleis und ist etwa 100 bis 120 Jahre alt. Eine DNA-Analyse ergab, dass dieser Typ nur zu 56 Prozent mit dem eigentlichen Luikenapfel verwandt ist. Er ist vermutlich durch natürliche Bestäubung entstanden und kommt so nur in Hemmingen vor. Auch dieser besondere Apfel wird nun in den Sortengarten aufgenommen. Möglich wurde dies durch die Hilfe des Besitzers, Johannes Schmid. Damit der alte Baum länger überlebt, wurde er vor Kurzem fachgerecht beschnitten.
Das Projekt hat mittlerweile sogar überregionale Beachtung gefunden. Die Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) aus Weinsberg ist auf die Hemminger Bäume aufmerksam geworden. Wegen des Klimawandels suchen Experten nach Sorten, die spät blühen und deshalb weniger anfällig für Spätfröste sind. Die LVWO hat deshalb bereits Reiser in Hemmingen geschnitten und pflanzt die Sorten in Weinsberg nach. Dort wird nun beobachtet, ob man diese robusten Typen für neue Apfelzüchtungen nutzen kann.