Hannover: Betrüger bei Schockanruf geschnappt
Am Mittwochnachmittag passierte es in der Südstadt von Hannover (Niedersachsen). Eine 86-jährige Frau erhielt einen Anruf von einer unbekannten Person. Der Anrufer gab sich als Polizist aus und erzählte eine schreckliche Geschichte: Die Tochter der Frau solle eine schwangere Frau überfahren haben. Damit die Tochter nicht im Gefängnis lande, müsse schnell eine Kaution gezahlt werden.
Eine 55-jährige Pflegefachkraft war zu diesem Zeitpunkt bei der Seniorin. Sie merkte sofort, dass es sich um einen Betrug handelte. Die Pflegerin übernahm das Telefonat und tat so, als wäre sie die alte Dame. Die Betrüger riefen daraufhin mehrfach an. Sie gaben sich als Polizisten, Staatsanwälte und sogar als Psychologen aus, um die Frau unter Druck zu setzen. Am Ende forderten sie 250.000 Euro in bar als Kaution.
Die Pflegekraft nutzte die Zeit zwischen den Anrufen und wählte den Notruf. Die Polizei rückte schnell an und beobachtete das Haus an der Hildesheimer Straße, das zwischen der Waldhausenstraße und dem Haspelfelde liegt, heimlich. Als ein 20-jähriger Mann auftauchte, um eine Tasche mit Geld und Wertsachen abzuholen, griffen die Beamten zu.
Der junge Mann versuchte zu fliehen. Er rannte über die Hildesheimer Straße in Richtung Döhren. Die Polizisten vom Kommissariat Hannover-Südstadt verfolgten ihn jedoch, holten ihn ein und nahmen ihn fest. Danach wurde er in den Polizeigewahrsam gebracht.
Der 20-Jährige ist der mutmaßliche Abholer. Der Zentrale Kriminaldienst Hannover ermittelt nun wegen versuchten gewerbsmäßigen Betrugs. Die Polizei sucht jetzt nach den Leuten im Hintergrund, die den Schockanruf organisiert und gesteuert haben. Es wird geklärt, wer genau an der Tat beteiligt war.
Die Ermittlungen dauern an. Ob und inwieweit sich der Verdächtige strafbar gemacht hat, klärt nun die Staatsanwaltschaft. Es gilt die Unschuldsvermutung.