Gernsbach blickt auf 800 Jahre Stadtgeschichte zurück
Gernsbach (Landkreis Rastatt, Baden-Württemberg) hat eine lange und wechselvolle Vergangenheit. Alles begann an der St. Jakobskirche. Dort befand sich das erste Gotteshaus. Im Jahr 1219 wurde der Ort zum ersten Mal schriftlich als „Genrespach“ erwähnt. Damals gab es neben dem Kirchdorf auch schon ein Marktdorf auf dem sogenannten „Stadtbuckel“.
Schon früh entwickelte sich der Ort zu einer richtigen Stadt. Im Jahr 1243 wurde Gernsbach erstmals als „oppidum“, also als Stadt, bezeichnet. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten Teile der Stadtmauer, von der man heute noch Reste sehen kann. Einen großen Schub bekam die Stadt, als die Grafen von Eberstein ihren Sitz auf die Burg Neueberstein, das heutige Schloss Eberstein, verlegten. Lange Zeit war die Stadt zwischen verschiedenen Herrschern aufgeteilt, bis 1803 endlich wieder eine einheitliche Verwaltung unter Baden zustande kam.
Das Geld verdiente man früher vor allem mit Holz. Die Murgschifferschaft handelte mit Holz und brachte der Stadt viel Reichtum. Davon zeugt heute noch das Alte Rathaus, das 1617 als schickes Wohnhaus gebaut wurde. Doch die Geschichte war nicht immer friedlich. Mehrfach brannten große Teile der Stadt nieder, unter anderem 1691 durch französische Truppen. Beim Wiederaufbau half der Architekt Friedrich Weinbrenner, der der Altstadt ihr heutiges Gesicht gab.
Auch berühmte Köpfe prägten den Ort. Karl Drais unternahm 1817 von Gernsbach aus die erste Fahrt mit seiner Laufmaschine, dem Vorläufer des Fahrrads. Die Werkrealschule der Stadt trägt heute seinen Namen. Blutige Kämpfe gab es 1849 während der Badischen Revolution. Als preußische Truppen die Stadt einnahmen, starben 29 Menschen.
Später wandelte sich die Wirtschaft. Die Flößerei auf der Murg wurde 1913 eingestellt, dafür boomte die Papierindustrie. Mit der Gründung einer Papiermacherschule im Jahr 1956 wurde Gernsbach zu einem Zentrum für diesen Bereich. Dunkle Kapitel gibt es ebenfalls: 1940 wurden die letzten neun Juden der Stadt in das Lager Gurs nach Frankreich verschleppt. Ein Denkmal an der Stadtbrücke erinnert heute an dieses Schicksal.
In den letzten Jahrzehnten wuchs die Stadt durch die Eingemeindung von Orten wie Scheuern, Lautenbach oder Reichental. Heute pflegt Gernsbach freundschaftliche Beziehungen zu den Städten Baccarat in Frankreich und Pergola in Italien.
Quelle: Gernsbach – zur Originalmeldung