Eisenach: Streit um Hühnerstall und Biogasanlage
Im Stadtratssaal von Eisenach (Wartburgkreis, Thüringen) war es am Donnerstag, den 20. August, voll bis auf den letzten Platz. Die Menschen aus der Stadt wollten wissen, was in ihrer Heimat geplant ist. Im Zentrum standen zwei große Vorhaben: eine riesige Legehennen-Anlage in Neukirchen und eine Biogasanlage in Stregda.
Auf dem Reitenberg im Ortsteil Neukirchen soll ein ehemaliger Milchviehbetrieb in einen Hühnerstall verwandelt werden. Die Firma Wartburg Ei GmbH plant, dort rund 495.000 Hennen in fünf Ställen zu halten. Die Tiere sollen in Bodenhaltung leben. Die Betreiber versprechen, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben und sogar neue dazukommen. Um den Gestank zu begrenzen, soll eine Reinigungsanlage für die Abluft eingebaut werden. Der Mist wird getrocknet und in geschlossenen Containern weggefahren.
Die Anwohner sorgen sich vor allem um den Verkehr. Die Firma rechnet mit etwa elf Lkw pro Tag, die Futter bringen oder Eier und Mist abtransportieren. Die meisten Lkw sollen direkt zur Autobahn fahren. Wer gegen den Bau ist, kann jetzt handeln: Die Unterlagen liegen bis zum 10. September in der Stadtverwaltung am Markt 22 aus. Einwendungen kann man bis zum 12. Oktober per Mail oder Post an das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) in Jena schicken.
Im zweiten Teil des Abends ging es um die geplante Biogasanlage in Stregda. Die Investoren der TW Gruppe wollen 58 Millionen Euro investieren. Aus Mist, Gülle, Mais und Gras soll Strom und Wärme für tausende Haushalte gewonnen werden. Die Eisenacher Versorgungsbetriebe (evb) sehen darin eine Chance, unabhängig von teurem Erdgas zu werden. Das könnte die Heizkosten für die Kunden senken.
Doch in Stregda gibt es großen Widerstand. Die Bewohner fühlen sich durch die Autobahn und Windräder schon genug belastet. Sie haben Angst, dass die Lebensqualität weiter sinkt. Zudem liegt der Standort in einem sogenannten Frischluftkorridor. Es muss erst geprüft werden, ob die Anlage die Kaltluftbahnen blockiert, die die Stadt kühlen.
Oberbürgermeister Christoph Ihling betonte, dass er die Ängste verstehe. Die Anlage werde nur gebaut, wenn sie wirtschaftlich sinnvoll ist und die Umwelt nicht zu stark belastet. Aktuell gibt es noch keine fertigen Gutachten. Zuerst muss der Stadtrat entscheiden, ob überhaupt ein Bebauungsplan erstellt wird. Erst danach folgen weitere Prüfungen und Beteiligungsphasen für die Bürger.
Ob die Projekte in dieser Form genehmigt werden, wird die Zeit zeigen. Die Ermittlungen und Prüfverfahren dauern an.
Quelle: Eisenach – zur Originalmeldung