Deckenpfronn prüft Klage gegen Windrad an Grenze
In Deckenpfronn (Landkreis Böblingen, Baden-Württemberg) gibt es Ärger über ein geplantes Windrad. Die Anlage mit der Bezeichnung WEA08 soll auf der Gemarkung Wildberg direkt an der Grenze zu Deckenpfronn entstehen. Sie soll neben der B296, unmittelbar hinter einer Obstanlage, errichtet werden. Das Projekt ist gewaltig: Das Windrad soll 266,5 Meter hoch werden und einen Rotordurchmesser von 175 Metern haben.
Bürgermeister Dennis Mews ist wütend über den Ablauf. Die Gemeinde habe erst durch Zufall von Dritten erfahren, dass das Landratsamt Calw die Genehmigung bereits am 13. Juli 2026 erteilt hat. Obwohl die Anlage direkt an der Gemeindegrenze steht, wurde Deckenpfronn im Verfahren weder angehört noch informiert. Andere Gemeinden, sogar aus dem Landkreis Böblingen wie Aidlingen, waren hingegen beteiligt. Der Gemeinderat sieht das als Affront.
Jetzt läuft die Zeit. Da die Genehmigung schon seit Juli steht, laufen die gesetzlichen Fristen für eine mögliche Klage ab. Die Verwaltung hat deshalb sofort einen Anwalt für Verwaltungsrecht eingeschaltet. Dieser prüft nun die Unterlagen. Der Gemeinderat wird danach entscheiden, ob die Gemeinde tatsächlich vor Gericht zieht.
Neben dem Ärger über die Kommunikation gibt es fachliche Bedenken. Die Gemeinde hat bereits den NABU, den BUND und das Amt für Landwirtschaft und Naturschutz beim Landratsamt Böblingen informiert. Es geht vor allem um den Naturschutz: An den Waldrändern in Deckenpfronn gibt es Rotmilane und verschiedene Fledermausarten, die geschützt werden müssen.
Zudem befürchtet der Bürgermeister, dass das Windrad die Entwicklung von Deckenpfronn behindert. Wenn die Anlage dort steht, könnten zukünftige Baupläne oder die Ausweisung von Ausgleichsflächen schwierig werden. Dass eine Nachbarkommune aus einem anderen Landkreis die Planungsmöglichkeiten in Deckenpfronn einschränkt und gleichzeitig hohe Pachteinnahmen von bis zu 180.000 Euro pro Jahr kassiert, sei nicht tragbar.
In den kommenden Wochen wird der Gemeinderat die Ergebnisse der rechtlichen Prüfung auswerten und über die nächsten Schritte entscheiden.