Böblingen nimmt Abschied von Kulturpreisträgerin Frederica Steisslinger
Frederica Steisslinger war in Böblingen (Baden-Württemberg) eine feste Größe in der Kunstszene. Über sie schrieb die Stadt nun einen Nachruf. Die Verstorbene widmete fast siebzig Jahre ihres Lebens dem Werk ihres Schwiegervaters, des Malers Fritz Steisslinger. Dieser war früher Professor an der Kunstakademie in Stuttgart und Mitglied der Stuttgarter Sezession.
Die Lebensgeschichte von Frederica Steisslinger führte sie weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Geboren wurde sie 1933. Ihren Ehemann Eberhard lernte sie in Brasilien kennen, wo er als Arzt gearbeitet hatte. Eberhard war der einzige von drei Söhnen des Malers, der den Zweiten Weltkrieg überlebte. Das Paar heiratete 1955 und zog 1961 nach Böblingen. Dort lebten sie mit ihren drei Söhnen in der Villa auf dem Tannenberg, die Fritz Steisslinger bereits 1922 gebaut hatte.
Frederica Steisslinger war weit mehr als nur eine Verwalterin des Familienbesitzes. Zusammen mit ihrem Mann und der Kunsthistorikerin Ulrike Gauss erarbeitete sie 1978 ein komplettes Werkverzeichnis. Damit schuf sie die Basis für alle späteren wissenschaftlichen Arbeiten über den Maler. Auch nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2006 machte sie nicht locker. Sie führte Besucher persönlich durch das Künstlerhaus am Tannenberg und erzählte dort mit viel Leidenschaft Geschichten aus der Familie.
Die Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie war besonders eng. Seit 2014 entstanden gemeinsam Ausstellungen und Bücher. So wurden etwa frühe Stillleben gezeigt, in denen sich der Maler mit fremden Kulturen auseinandersetzte. Die letzte gemeinsame Ausstellung im Winter 2024 zeigte religiöse Werke aus den Jahren 1910 bis 1920, die gerade in der heutigen Zeit wieder sehr aktuell wirkten.
Für ihren Einsatz wurde sie mehrfach geehrt. 2019 nannten sie die SPD-Fraktion „Böblingerin des Jahres“. 2021 erhielt sie den Kulturpreis der Stadt sowie die Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg. Zudem war sie Ehrenmitglied des böblinger galerievereins e. V.
Ein Projekt wird sie nun leider nicht mehr erleben: Im Frühjahr 2027 wird das Steisslinger-Kabinett im Museum Zehntscheuer wiedereröffnet. Die Räume waren längere Zeit in Sanierung. Mit der Wiedereröffnung und einer neuen Publikation will die Stadt das Erbe von Fritz Steisslinger lebendig halten.
Quelle: Böblingen – zur Originalmeldung