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Bocholt trauert um Historiker Josef Niebur

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Die Stadt verliert mit Josef Niebur einen Mann, der jahrzehntelang dafür gekämpft hat, dass die Opfer des Nationalsozialismus nicht vergessen werden.

Bocholt (Kreis Borken, Nordrhein-Westfalen) trauert um Josef Niebur. Der ehrenamtliche Historiker und Heimatforscher ist gestorben. Über viele Jahre war er die treibende Kraft hinter der Erinnerungskultur in der Stadt. Ohne seine Arbeit wüssten viele heute nicht, was in ihrer Nachbarschaft während der NS-Zeit passiert ist.

Alles begann für Niebur nach dem Attentat auf die israelische Olympiamannschaft in München 1972 und Berichten über die zerstörte Synagoge in Bocholt. Ab den 1980er Jahren suchte er systematisch nach den Spuren des Holocausts vor Ort. Er verbrachte Monate im Stadtarchiv und wertete alte Gerichtsakten aus. Er reiste bis nach Israel zur Gedenkstätte Yad Vashem und sprach mit Zeitzeugen und Nachfahren jüdischer Familien.

Aus dieser harten Arbeit entstanden wichtige Bücher. 1988 veröffentlichte er die Dokumentation "Juden in Bocholt". Später, im Jahr 2013, erschien das "Buch der Erinnerung". Es ist fast 500 Seiten dick und enthält 183 Lebensläufe von Opfern, damit diese nicht nur Nummern bleiben, sondern Namen und Geschichten bekommen. Auch für Schulen schrieb er Materialien, damit die Schüler das Thema im Unterricht besser verstehen.

Im Stadtbild von Bocholt sieht man sein Lebenswerk an vielen Stellen. Seit 2007 gibt es in der Stadt Stolpersteine, die an die Opfer erinnern. Dass diese 49 Steine überhaupt verlegt wurden, ist vor allem Nieburs Verdienst. Er half bei der Neugestaltung der Synagogen-Gedenkstätte vor dem Haus des Handwerks im Jahr 2005 und trieb die Erneuerung der Gedenkstätte für das ehemalige Stadtwaldlager voran, die 2014 fertig wurde. Zudem setzte er sich dafür ein, Straßen nach Verfolgten des Regimes zu benennen.

Niebur wollte sein Wissen weitergeben. Er organisierte Ausstellungen, hielt Vorträge und führte hunderte Stadtrundgänge für Schulklassen und die Volkshochschule durch. Wenn Verwandte ehemaliger jüdischer Bürger aus dem Ausland nach Bocholt kamen, begleitete er sie als Experte durch die Stadt.

Für seinen Einsatz wurde er mehrfach geehrt. 1995 bekam er die Stadtplakette in Silber, zudem erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande und 2015 die Ehrennadel der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Kulturdezernent Björn Volmering sagte, dass Niebur den Opfern ihre Würde und ihren Platz in der Stadtgeschichte zurückgegeben habe.

Weitere Angaben zum Trauerfall liegen bislang nicht vor.

Quelle: Bocholt – zur Originalmeldung

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