Bergheim: Erft-Umbau steht unter massivem Zeitdruck
Auf einer Länge von rund 40 Kilometern soll die Erft komplett umgestaltet werden. Eigentlich war geplant, dass die Arbeiten bis zum Jahr 2045 dauern. Doch jetzt gibt es ein Problem: Weil die Kohle früher aus dem Spiel kommt, muss das Projekt bereits bis 2030 fertig sein. Das sind 15 Jahre weniger Zeit als ursprünglich gedacht.
Das Ganze hat mit dem Wasser zu tun. Seit den 1950er Jahren wurde viel Wasser aus dem Braunkohletagebau Hambach in die Erft geleitet. Dadurch ist der Fluss heute viel wasserreicher, als er es natürlich wäre. Ab 2030 fällt dieses Wasser weg. Das aktuelle Flussbett ist dann viel zu groß und befestigt für die geringeren Wassermengen. Das Wasser würde zu langsam fließen, die Qualität würde sinken und die Natur könnte sich nicht richtig entwickeln.
Es gibt aber große Hürden. Vor allem alte Staurechte machen Probleme. Auf etwa 15 Kilometern staut sich das Wasser heute zurück. Wenn diese Stauhaltungen bleiben, kann man den Fluss dort nicht renaturieren. Manche Besitzer dieser Rechte wollen das Wasser für kleine Wasserkraftwerke nutzen. Dem stehen aber der Hochwasserschutz und die Natur im Weg. Hier müssen die Behörden nun entscheiden, was wichtiger ist.
Auch das Geld und der Platz sind ein Thema. Der Erftverband versucht zwar, die nötigen Flächen zu sichern, aber bei einzelnen Grundstücken hakt es noch. Zudem wird das Projekt mit Geld vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert. Da die Haushaltslage beim Land angespannt ist, ist es eine Herausforderung, die Summen in so kurzer Zeit bereitzustellen.
Dass der Plan funktioniert, haben die Verantwortlichen in Bergheim (Rhein-Erft-Kreis, Nordrhein-Westfalen) schon gesehen. Das Projekt im „Vogelwäldchen“ war ein Erfolg. Dort wurde die Erft verlegt, was Platz für Natur und Erholung schuf und gleichzeitig den Hochwasserschutz verbesserte. Solche Beispiele dienen nun als Vorbild für weitere Abschnitte.
Um Zeit zu sparen, fasst der Erftverband jetzt mehrere Abschnitte zusammen. So wird im Projekt „Erftaue Kapellen“ zwischen Grevenbroich-Wevelinghoven und Neuss-Gruissem ein Bereich von über sechs Kilometern gemeinsam geplant. Hier sollen Wanderhindernisse für Fische verschwinden und mehr Platz für Hochwasser geschaffen werden. Die Genehmigung dafür soll bis Ende 2026 beantragt werden.
Weitere Projekte laufen ebenfalls: Die Renaturierung in Glesch soll bis Mitte 2029 fertig sein. Auch bei der Mühle Kottmann unterhalb von Grevenbroich soll die Erft verlegt werden, um mehr Raum für Wasser zu schaffen.
Ob das Großprojekt unter diesem enormen Zeitdruck wirklich bis 2030 gelingt, bleibt abzuwarten. Es hängt vor allem davon ab, ob die rechtlichen Streit um die Staurechte schnell gelöst werden.
Quelle: Bergheim – zur Originalmeldung