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Witten: Enkel einer vertriebenen Familie wird Deutscher

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Nach Jahrzehnten im Ausland kehrt Nicolas Boheimer zu seinen Wurzeln zurück. Die Stadt Witten würdigte die Einbürgerung des 69-Jährigen mit einem emotionalen Empfang.

Am Freitag, den 21. August, gab es im Rathaus von Witten (Ennepe-Ruhr-Kreis, Nordrhein-Westfalen) einen ganz besonderen Termin. Der 69-jährige Nicolas Boheimer wurde dort symbolisch eingebürgert. Die eigentliche Urkunde und sein deutscher Pass warten noch auf ihn in der deutschen Botschaft in Wellington in Neuseeland, aber die Stadt wollte diesen Moment nicht verstreichen lassen.

Hinter der Einbürgerung steckt eine traurige Familiengeschichte. Boheimers Großeltern, Dr. Julius und Charlotte Böheimer, lebten früher in der Nordstraße 16 in Witten. Doch im November 1938, während der Reichspogromnacht, mussten sie und ihre Söhne vor den Nationalsozialisten fliehen. Boheimers Vater Klaus wurde als 13-Jähriger mit einem Kindertransport nach England gerettet. Dort studierte er Medizin und wurde 1956 Vater von Nicolas. Später wanderte Nicolas Boheimer nach Neuseeland aus und besitzt heute die britische sowie die neuseeländische Staatsbürgerschaft.

Bürgermeister Dirk Leistner, Sozialdezernentin Ann Kathrin Frede und Ana Muro vom Stadtarchiv empfingen den Mann herzlich im Rathaus. Boheimer war sichtlich bewegt und sagte, er sei überwältigt. Er erhielt ein Buch über das Rathaus, Pralinen und ein spezielles Erinnerungsbuch mit alten Zeitungsartikeln und Fotos über seine Familie. Begleitet wurde er von Kerstin Glathe, deren Familie seit Jahren die Gedenktafel an der Nordstraße 16 pflegt. Über diese Tafel kam Boheimer überhaupt erst wieder mit seiner Heimatstadt in Kontakt.

Boheimer spricht bereits gut Deutsch und hat eine persönliche Verbindung zu Witten aufgebaut. Er erzählte, dass er früher schon mit seiner Gitarre in der Bahnhofstraße Musik gemacht habe. Zum Abschluss des Besuchs führte der Bürgermeister ihn auf den Rathausturm, um ihm die Stadt von oben zu zeigen.

Der 69-Jährige überlegt nun sogar, fest nach Witten zu ziehen. Bürgermeister Leistner sagte ihm, dass er herzlich willkommen sei. Sollte er den Umzug wagen, lade ihn die Stadt zu einer offiziellen Einbürgerungsfeier ein.

Quelle: Witten – zur Originalmeldung

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