Wetter: Schüler treffen Hologramme von Holocaust-Überlebenden
Die Zeitzeugen des Holocaust werden immer weniger. Wenn sie nicht mehr selbst erzählen können, stellt sich die Frage, wie man die Erinnerung lebendig hält. Damit haben sich Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums aus Wetter (Ennepe-Ruhr-Kreis, Nordrhein-Westfalen) beschäftigt. Im Rahmen eines Unterrichtsprojekts besuchten sie die Ausstellung „Holo-voices“ auf der Zeche Zollverein.
Das Besondere an der Ausstellung ist die Technik: Mithilfe von Künstlicher Intelligenz und Hologrammen werden echte Aufnahmen von Überlebenden fotorealistisch und dreidimensional dargestellt. Die Jugendlichen konnten den Hologrammen persönliche Fragen stellen und Antworten erhalten. Für viele Schüler war das ein großer Unterschied zu einem normalen Video, da sie so direkt auf die Menschen eingehen konnten.
Das Projekt war in drei Teile gegliedert. Zuerst ging es darum, wie Geschichte heute vermittelt wird – etwa über soziale Medien oder digitale Formate. Die Schüler lernten dabei, Informationen zu prüfen und Manipulationen zu erkennen. Danach befassten sie sich mit der Zwangsarbeit im Ruhrgebiet. Dabei zogen sie Vergleiche zu den Zwangsarbeitern, die es auch in Wetter gab und die dort ausgebeutet und von der Bevölkerung isoliert wurden.
Ein weiterer wichtiger Punkt war die Zeit nach dem Krieg. Die Schüler fragten nach, welche Verantwortlichen ihre Karrieren einfach fortsetzen konnten und wie Firmen mit ihrer Vergangenheit umgingen. Am Beispiel der Firma DEMAG sahen sie, dass eine offene Auseinandersetzung möglich ist, auch wenn das in Deutschland oft lange dauerte.
Ein Fernsehteam begleitete die Gruppe und hielt fest, wie die Jugendlichen die Module durchliefen. Zudem unterstützte die Wetteranerin Elisa Gernert das Projekt wissenschaftlich. Sie führte nach den Projekttagen Interviews mit den Schülern, um deren Eindrücke und Lernprozesse genau zu erfassen. Laut Ariane Olek vom Verein Zweitzeugen e.V. ist das Gymnasium aus Wetter die erste Schule in Nordrhein-Westfalen, die das Projekt in so großem Rahmen besucht hat.