Westfalen-Lippe baut Bus- und Bahntarife komplett um
Wer im Kreis Borken (Nordrhein-Westfalen) mit Bus und Bahn unterwegs ist, kennt das Chaos bei den Fahrpreisen. Bisher gibt es über 800 verschiedene Preis-Produkt-Kombinationen und mehr als 2.000 verschiedene Raumeinheiten, die den Preis bestimmen. Das ist so kompliziert, dass kaum noch jemand durchblickt. Deshalb wird der WestfalenTarif nun grundlegend reformiert.
Ab April 2027 ändert sich alles. Das Ziel ist eine maximale Vereinfachung. Statt zwölf komplizierter Preisstufen gibt es dann nur noch vier einfache Zonen. Die Preisstufe A gilt für Fahrten innerhalb einer Stadt oder Gemeinde. Stufe B ist für Fahrten in die direkte Nachbarstadt gedacht. Stufe C deckt Mittelstrecken bis zu zwei Kreise ab und Stufe D gilt für Fahrten im gesamten WestfalenTarif-Raum.
Das Angebot wird auf drei Säulen aufgeteilt: Vielfahrer nutzen weiterhin das Deutschlandticket. Gelegenheitsfahrer können das digitale System eezy.nrw per Smartphone nutzen, bei dem man einfach ein- und auscheckt. Für alle anderen gibt es ein kompaktes Sortiment an klassischen Einzel- und Tageskarten.
Einige alte Regeln fliegen komplett raus. Die sogenannten Sperrzeiten werden abgeschafft. Wer ein Fahrrad mitnehmen will oder in der ersten Klasse fährt, muss künftig nur noch einen Pauschalbetrag zahlen.
Die Planung für diesen Umbau war ein riesiger Kraftakt. Insgesamt waren 28 Aufgabenträger, 16 Kreise, drei kreisfreie Städte und über 60 Verkehrsunternehmen beteiligt. Die Details zu diesem Prozess wurden nun in einem Fachartikel in der Zeitschrift „Der Nahverkehr“ veröffentlicht. Die Autoren Lea Rötter, Dr. Oliver Mietzsch und Matthias Hehl erklären dort, wie die technische Umsetzung funktioniert.
Aktuell wird in der Westfälischen Tarifdatenbank gearbeitet, damit die neuen Preise pünktlich im Frühjahr 2027 starten können. Weitere Informationen zum Fachartikel gibt es auf der Webseite der WestfalenTarif GmbH.