Vogelsbergkreis: Notfall-Dolmetscher helfen bei Rettungseinsätzen
Stellen Sie sich vor, eine 71-jährige Frau stürzt von einer Leiter. Sie hat starke Schmerzen in der Hüfte und kann nicht mehr aufstehen. Das Problem: Sie spricht nur Persisch. Weder sie noch die Rettungskräfte verstehen ein Wort voneinander. In einer solchen Situation kommt im Vogelsbergkreis (Hessen) Hilfe per Telefon.
Genau dieses Szenario wurde vor Kurzem in der Kreisverwaltung durchgespielt. Der Dolmetscher Keyvan Seifialou zeigte, wie es funktioniert: Er wird von der Leitstelle benachrichtigt und übersetzt am Telefon zwischen der Patientin und dem Notarzt. Er fragt gezielt nach den Schmerzen und dem Zustand der Frau und gibt die Infos an die Leitstelle weiter, damit der Rettungswagen richtig disponiert werden kann.
Bei diesem Test war auch hohe Politik dabei. Staatssekretärin Katrin Hechler aus dem Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales überreichte dem WIR-Vielfaltszentrum einen Förderbescheid über 600.000 Euro. Das Geld ist bis Ende 2030 gesichert und soll die Integrationsarbeit in der Region stabil machen.
Das Projekt zur Sprachmittlung läuft bereits seit 2015. Mittlerweile gibt es rund 150 Helfer, die etwa 40 verschiedene Sprachen beherrschen. Sie unterstützen Menschen im Alltag, zum Beispiel bei Arztbesuchen oder in der Schule. Insgesamt gibt es pro Jahr rund 2000 Einsätze.
Besonders wichtig ist aber die Arbeit im Notfall. Die Ehrenamtlichen werden dafür speziell geschult. Laut Björn Preuß-von Brincken, einem Berater der Feuerwehr, dauert so ein Einsatz oft nur fünf Minuten, kann aber lebensrettend sein. Die Helfer betonen, dass eine Künstliche Intelligenz oder Google Translate hier nicht ausreichen. Menschen in Panik oder mit starken Schmerzen sprechen anders, da braucht es den direkten Kontakt zu einem echten Menschen, damit sie sich sicher fühlen.
Landrat Dr. Jens Mischak und die Staatssekretärin lobten die Arbeit des Zentrums. Preuß-von Brincken hofft nun, dass dieses Modell aus dem Vogelsbergkreis bald in ganz Hessen eingeführt wird.