Viersen steuert auf Millionenloch im Haushalt zu
Die finanzielle Lage in Viersen (Nordrhein-Westfalen) hat sich drastisch verschlechtert. In einer Sondersitzung am Montag, den 31. August 2026, hat Stadtkämmerin Birgit Wöltering die aktuellen Zahlen präsentiert. Die Prognosen sehen düster aus: Für 2026 rechnet die Stadt mit einem Minus von rund 49,7 Millionen Euro. Im Jahr 2027 soll das Loch sogar auf etwa 55,2 Millionen Euro anwachsen.
Mehrere Gründe führen in diese Abwärtsspirale. Vor allem bei der Gewerbesteuer fehlen für 2026 rund 12 Millionen Euro im Vergleich zur ursprünglichen Planung. Gleichzeitig steigen die Ausgaben. Das betrifft vor allem die Kosten für Personal und Versorgung, Hilfen zur Erziehung sowie die Kreisumlage. Stadtkämmerin Wöltering betont, dass die Stadt viele dieser Kosten nicht selbst beeinflussen kann.
Die Stadt hat bereits im Frühjahr reagiert und eine Haushaltssperre verhängt, um zusätzliche Ausgaben zu stoppen. Doch das reicht nicht aus. Wenn es so weitergeht, wäre das Eigenkapital der Stadt bereits im Jahr 2029 komplett aufgebraucht. Für das Jahr 2030 wird sogar eine Überschuldung von rund 111 Millionen Euro befürchtet.
Deshalb muss die Stadt zum 1. Januar 2027 ein sogenanntes Haushaltssicherungskonzept aufstellen. Das bedeutet in der Praxis: Es wird schwierige Entscheidungen geben. Die Verwaltung prüft nun, wo man sparen kann. Das betrifft nicht nur freiwillige Leistungen der Stadt, sondern auch gesetzliche Pflichtaufgaben. Hier wird geschaut, ob man Standards senken kann. Parallel dazu wird gesucht, wie die Stadt mehr Einnahmen generieren kann.
Besonders kritisch wird es ab dem 1. Januar 2027. Dann könnten die Regeln des Nothaushaltsrechts greifen. In diesem Fall darf die Stadt im Grunde nur noch Geld ausgeben, zu dem sie rechtlich gezwungen ist oder was absolut notwendig ist. Neue freiwillige Angebote wären dann nicht mehr möglich, und auch bei neuen Stellen oder Krediten gäbe es strenge Grenzen.
Der Erste Beigeordnete Thomas Dückers sieht auch Bund und Land in der Pflicht. Er kritisiert, dass den Kommunen immer mehr Aufgaben übertragen werden, ohne dass genug Geld dafür fließt. Die Verwaltung wird nun eine aktualisierte Prognose zum Stand 31. August 2026 erstellen und gemeinsam mit der Politik über die nächsten Schritte beraten.
Quelle: Viersen – zur Originalmeldung