Twist: Bürger fordern Rettung alter KZ-Baracke
Rund 100 Menschen kamen am 17. August 2026 im Heimathaus in Twist (Landkreis Emsland, Niedersachsen) zusammen. Die Gemeinde hatte zu einem Abend eingeladen, an dem es um die Geschichte des ehemaligen KZ-Außenlagers Versen ging. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie man die Verbrechen der Nationalsozialisten nicht in Vergessenheit geraten lässt.
Heinz Kathmann gab persönliche Einblicke in die Zeit. Er berichtete von seiner Kindheit in Versen und erinnerte an seinen Bruder Günter Kathmann, der sich stark für die Erinnerungskultur eingesetzt hatte. Kathmann schilderte, wie wenig die Menschen damals über die Gräueltaten in ihrer direkten Nachbarschaft wussten. Besonders eindringlich sprach er über das Leid der dänischen Häftlinge und die menschenunwürdigen Zustände im Lager, etwa in der sogenannten „Scheißerei-Baracke“.
Dr. Hermann Krüssel präsentierte zudem neue Erkenntnisse. Er stützte sich dabei auf Zeitzeugeninterviews und dänische Tagebücher, die bisher noch nicht übersetzt worden waren. Krüssel verglich die verschiedenen Lagerkommandanten: Während Werner Schäfer als grausam und gewalttätig galt, wurde sein Nachfolger Rudolf Günther von den Häftlingen positiver bewertet. Moderator Manfred Fickers ergänzte, dass man auch die Frage nach den Tätern noch genauer untersuchen müsse.
Ein wichtiger Punkt des Abends war die ehemalige Listenführungsbaracke auf dem Gelände der heutigen JVA Meppen-Versen. Uli Schönrock, ein ehemaliger Gefängnisseelsorger, erklärte, dass dieses Gebäude von 1938/39 die letzte erhaltene Täterbaracke des Lagers sei. Das 70 Meter lange Gebäude droht jedoch zu verfallen. Zwar solle es gesichert werden, doch eine richtige Sanierung fehle bisher. Das Problem sei die Bürokratie: Fördergelder seien zwar da, könnten aber wegen zu komplizierter Hürden nicht genutzt werden.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, wie wichtig echte Orte für die Erinnerung sind. Eine dänische Nachfahrin erzählte etwa, dass sie erst durch die Geschichte des Lagers verstand, warum ihr Vater sein Leben lang unter einer besonderen „Kälteempfindung“ gelitten hatte. Die Anwesenden waren sich am Ende einig: Die Baracke muss saniert werden, damit sie als Ort für Gedenken und politische Bildung erhalten bleibt.
Bürgermeisterin Petra Lübbers bedankte sich zum Abschluss bei den Referenten und den Familien Krüssel und Kathmann für ihre Unterstützung bei der Aufarbeitung der Geschichte.
Quelle: Twist – zur Originalmeldung