Stadtlohn gedenkt ermordeter Mitbürger in Riga
Anfang Juli gab es eine besondere Reise in die lettische Hauptstadt Riga. Der Erste Beigeordnete Günter Wewers und die Archivarin Leonie Rosing vertraten dabei die Stadt Stadtlohn (Kreis Borken, Nordrhein-Westfalen). Sie waren Teil einer Gruppe des sogenannten Riga-Komitees, an der insgesamt 33 weitere Kommunen teilnahmen.
Der Anlass war traurig: Es war der 85. Jahrestag der Deportationen jüdischer Menschen nach Riga. Zudem bestand die Gedenkstätte Bikernieki seit 25 Jahren. An verschiedenen Tatorten im heutigen Lettland wurde an die Opfer erinnert. Besonders schwer wog der Besuch in Bikernieki. Dort legten Wewers und Rosing Blumen an einem Gedenkstein nieder. Sie dachten an zehn jüdische Mitbürger aus Stadtlohn, die am 10. Dezember 1941 nach Riga verschleppt und dort ermordet wurden. Nur einer von ihnen überlebte die Zeit der Nationalsozialisten.
Die Delegation besuchte außerdem die Gedenkstätten in Rumbula, den Bahnhof Šķirotava und das Gelände des ehemaligen Jungfernhofs. Dort befand sich das erste Konzentrationslager Lettlands. An diesem Ort trafen die Reisenden auf Nachfahren von Überlebenden. Diese machten deutlich, dass hinter jeder Zahl in den Geschichtsbüchern ein echter Mensch und eine Familie stecken.
Zum offiziellen lettischen Holocaustgedenktag nahm die Gruppe an einer Veranstaltung an den Ruinen der Großen Choral-Synagoge teil. Dabei waren auch Vertreter der deutschen und österreichischen Botschaft, der lettische Ministerpräsident sowie der Historiker Marģers Vestermanis anwesend, der selbst das Rigaer Ghetto überlebt hat.
Neben den Gedenkbesuchen standen Gespräche im Vordergrund. Die Delegation traf sich im Rathaus von Riga mit den Botschafterinnen Deutschlands und Österreichs sowie mit Vertretern der Stadt. Im Museum „Juden in Lettland“ gab es einen Austausch mit der jüdischen Gemeinde. Die Teilnehmenden erfuhren viel über die Geschichte der Stadt und das jüdische Leben. Am Ende der Reise stand der Wunsch im Raum, das Bündnis der Städte weiter zu stärken, damit die Erinnerung an die Opfer nicht verloren geht.
Quelle: Stadtlohn – zur Originalmeldung