Sondershausen: Schüler stellen neue Infotafel für Opfer des Faschismus vor
Viele Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Sondershausen (Thüringen) sind jeden Tag an dem Denkmal für die Opfer des Faschismus vorbeigegangen, ohne wirklich darüber nachzudenken. Das hat sich nun geändert. Im Rahmen des Projekts „Gedenken braucht Wissen“ haben sich die Jugendlichen aus dem Geschichtsleistungskurs intensiv mit dem Ort beschäftigt.
Unter der Leitung ihres Lehrers Martin Brauer haben die Schüler in Archiven gewühlt und Quellen ausgewertet. Sie wollten wissen, wer die Menschen waren, die dort erinnert werden: Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt, deportiert oder ermordet wurden. Das Denkmal selbst wurde kurz nach dem Krieg, am 14. September 1947, eingeweiht. Die Ergebnisse ihrer Arbeit haben die Schüler auf einer Informationstafel zusammengefasst, die am 1. September offiziell vorgestellt wurde.
Zur Enthüllung kamen viele Leute aus der Stadt, darunter der Landtagsabgeordneter Stefan Schard, Schulleiter Jürgen Wünsche und Vertreter der Stadtverwaltung. Claudia Langhammer von der Stadt Sondershausen betonte bei dem Termin, dass solche Orte Teil des Gedächtnisses der Stadt sind. Wenn niemand mehr weiß, was dort passiert ist, geraten die Geschichten in Vergessenheit.
Besonders bewegend waren die Berichte einiger Schülerinnen. Sie waren kurz zuvor bei einem Workcamp in Polen und besuchten die Gedenkstätte Auschwitz. Eine Schülerin erzählte von der Begegnung mit einer Überlebenden, die als politische Häftling einen roten Winkel tragen musste. Für die Jugendlichen wurde klar: Hinter den Symbolen aus den Geschichtsbüchern stecken echte Menschen mit Namen und eigenen Leben. Ihr Fazit lautete: „Nie wieder ist kein Spruch für Geschichtsbücher – Nie wieder ist jetzt“.
Neben der Tafel gab es noch eine weitere wichtige Neuigkeit: Das Gymnasium hat eine Kooperation mit dem Erinnerungsort „Topf & Söhne“ in Erfurt geschlossen. Das war die Firma, die die Verbrennungsöfen für Auschwitz baute. Schulleiter Jürgen Wünsche und die Pädagogin Rebekka Schubert unterschrieben den Vertrag, damit die Schüler auch künftig direkt an historischen Orten lernen können.
Dies ist bereits die dritte Infotafel, die im Rahmen des Projekts aufgestellt wurde. Zuvor gab es bereits Tafeln zu Nikolaus von Harlem und Heinz Koch. Die Schüler wollen damit erreichen, dass die Menschen in Sondershausen wieder bewusster an den Gedenkorten stehen bleiben und über die Vergangenheit nachdenken.