Rudolstadt ehrt zwei Künstler und ihr Miniatur-Reich
Manfred Kiedorf und Gerhard Bätz waren keine gewöhnlichen Künstler. Alles begann schon 1951 an einer Berufsschule in Sonneberg. Die beiden waren damals Schüler und hatten eigentlich wenig Lust auf Buchhaltung. Stattdessen bastelten sie unter der Schulbank aus Halmasteinen kleine Figuren. Aus diesem Spiel wurde ein Lebensprojekt, das über fünfzig Jahre dauerte.
Gemeinsam erfanden sie die „gepriesene Insel“. Das ist eine komplette Welt im Maßstab 1:50. Es gibt dort zwei Reiche, Pelarien und Dyonien, mit eigenen Königen, einer eigenen Sprache und einer detaillierten Geschichte. Die beiden bauten präzise Schlösser, Festsäle und Theater, mischten das Ganze aber mit einer ordentlichen Portion Humor und Satire.
Interessant ist, dass die beiden Freunde lange Zeit nicht am selben Ort lebten. Kiedorf arbeitete in Berlin, Bätz später in Fulda. Trotz der Entfernung und der politischen Brüche zwischen Ost und West hielten sie an ihrer gemeinsamen Welt fest. Ihr wichtigstes Werkzeug war der Briefwechsel. Insgesamt schrieben sie rund 2.500 Briefe, in denen sie Baupläne besprachen oder Kriege in ihrer Miniaturwelt ausriefen.
Das gesamte Lebenswerk ist heute in Rudolstadt (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, Thüringen) zu finden. Das Thüringer Landesmuseum Heidecksburg hat die Sammlung 2006 gekauft. Seit 2007 kann man die Miniaturschlösser in der ehemaligen Hofküche des Schlosses besichtigen. Es passt auch gut zusammen: Über den kleinen Modellen liegen die echten Prunksäle der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt.
Manfred Kiedorf ist im Jahr 2015 gestorben. Die Stadt würdigt ihn und Gerhard Bätz nun gemeinsam als „Köpfe der Woche“, da ihr Werk ohne die Zusammenarbeit des anderen nicht möglich gewesen wäre.
Quelle: Rudolstadt – zur Originalmeldung