Rudolstadt ehrt drei einflussreiche Frauen der Literaturgeschichte
In Rudolstadt (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, Thüringen) rücken drei Frauen in den Fokus, die lange Zeit im Schatten der großen Dichter standen: Louise von Lengefeld und ihre Töchter Caroline und Charlotte. Die Stadt bezeichnet das Trio als das „Rudolstädter Dreigestirn“.
Die Geschichte spielt vor allem im späten 18. Jahrhundert. Louise von Lengefeld sorgte nach dem Tod ihres Mannes Carl Christoph von Lengefeld im Jahr 1775 dafür, dass ihre Töchter eine umfassende Bildung erhielten. Sie lernten Sprachen, Literatur, Geschichte und Philosophie und reisten zwischen 1783 und 1784 in die Westschweiz. Ihr Haus in der heutigen Schillerstraße wurde zu einem Treffpunkt für Gelehrte und Literaten.
Im Sommer 1788 kam Friedrich Schiller nach Rudolstadt. Er wohnte damals bei Kantor Unbehaun in Volkstedt und suchte in Rudolstadt Stabilität und Austausch. Mit Louise entwickelte er eine fast mütterliche Beziehung, während Caroline eine intellektuelle Gesprächspartnerin für ihn war. Zu Charlotte entwickelte Schiller eine tiefe persönliche Nähe.
Ein besonderer Moment ereignete sich am 7. September 1788, als sich Goethe und Schiller im Haus der Familie Lengefeld zum ersten Mal persönlich begegneten. Diese erste Begegnung war noch reserviert, legte aber den Grundstein für die spätere berühmte Dichterfreundschaft.
Auch nach dem Tod von Schiller im Jahr 1805 spielten die Frauen eine wichtige Rolle. Charlotte kümmerte sich um seinen Nachlass und verhandelte mit dem Verleger Cotta, damit sein Werk bewahrt wurde. Caroline veröffentlichte 1830 eine Biografie über Schiller, die das Bild des Dichters über Generationen prägte. Zuvor hatte sie anonym den Roman „Agnes von Lilien“ veröffentlicht, der so gut war, dass Kritiker ihn fälschlicherweise für ein Werk von Goethe hielten.
Louise von Lengefeld selbst war ab 1789 Hofmeisterin und später Oberhofmeisterin am Hof von Schwarzburg-Rudolstadt. Durch ihre Position und ihre Netzwerke öffnete sie Türen und schuf den Raum, in dem die Literaturgeschichte der Region entstehen konnte.
Quelle: Rudolstadt – zur Originalmeldung