Naturschützer aus zwei Bundesländern im Bodenseekreis zu Gast
Im Juni hat der Landschaftserhaltungsverband (LEV) Bodenseekreis (Baden-Württemberg) Kollegen aus dem ganzen Land und aus dem bayerischen Allgäu eingeladen. Gemeinsam sind sie auf eine große Tour durch den östlichen Teil des Landkreises gegangen. Geschäftsführer Daniel Doer wollte zeigen, welche Maßnahmen im Bodenseekreis beim Artenschutz bereits gut funktionieren und was andere Verbände davon lernen können.
Der erste Stopp war am Kammerweiher zwischen Hilpolts- und Oberwolfertsweiler. Dort ging es um Tiere, die in fließenden Gewässern leben. Dr. Holger Hunger vom Büro INULA aus Freiburg erklärte, wie man die seltene Libellenart Helm-Azurjungfer schützt. Auch Bachmuscheln und Steinkrebse stehen auf dem Prüfstand. Damit die Gewässer richtig gepflegt werden, wurde ein neues Infoblatt mit Tipps für die Praxis vorgestellt. Danach liefen die Experten zum Wielandsbach, um ein Projekt für Bachmuscheln und einen geplanten Moorschutz zu besichtigen.
Weiter ging es zum Degersee bei Tettnang. Auf einer Wiese lebt dort der Goldene Scheckenfalter. Die Raupen dieses Falters fressen nur eine einzige Pflanze: den Teufels-Abbiss. Damit der Schmetterling überlebt, muss die Wiese nur einmal im Jahr und das möglichst spät gemäht werden. Ein Problem sind invasive Pflanzen aus Amerika, wie die Späte Goldrute, die alles andere verdrängt. Der Landschaftspfleger Thomas Müller aus Lindau zeigte, wie er diese Goldrute mit speziellen Maschinen und einem präzisen Zeitplan im Frühjahr und Sommer bekämpft, damit die heimischen Arten eine Chance haben.
Am Nachmittag besuchten die Fachleute den Tunauer Strand in Kressbronn. Hier geht es vor allem um Amphibien wie die Gelbbauchunke und den Kammmolch. Thomas Ueber erklärte, wie man sogenannte „Trittsteine“ schafft, damit die Tiere sicher von einem Lebensraum zum nächsten wandern können. Ein Problem ist hier oft, dass Fische die Larven der Molche und Unken fressen.
Normalerweise laufen die kleinen Gewässer am Ufer im Winter trocken und füllen sich im Frühjahr wieder, wenn die Tiere laichen. Das ist gut, weil dann keine Räuber im Wasser sind. Doch der Klimawandel macht einen Strich durch die Rechnung: Daniel Doer berichtete, dass die Gewässer am Tunauer Strand nun schon zum zweiten Mal in Folge komplett ohne Wasser bleiben. Trotzdem konnten die Besucher am Ende der Tour in einem anderen Bereich noch ausgewachsene Gelbbauchunken beobachten.