Märkischer Kreis führt neues Warnsystem gegen Hochwasser ein
Im Märkischen Kreis (Nordrhein-Westfalen) startet ein neues Projekt zum Schutz vor Starkregen und Hochwasser. Ein kreisweites Frühwarnsystem soll künftig dafür sorgen, dass die Feuerwehr und andere Retter früher wissen, wenn Gewässer über die Ufer treten. Das Ziel ist es, gezielter zu reagieren und Menschenleben zu schützen.
Der Anstoß für die Technik war das Unwetter „Bernd“ im Juli 2021. Damals gab es in der Region schwere Schäden und zwei Feuerwehrmänner verloren ihr Leben. Kleine Bäche wurden innerhalb kürzester Zeit zu reißenden Strömen. Das Problem war, dass es für viele dieser Stellen kaum Messdaten gab. Genau hier setzt das neue System an.
Im gesamten Kreisgebiet werden Sensoren installiert. Diese messen nicht nur den Wasserstand, sondern auch, wie feucht der Boden ist. Das ist wichtig, denn nur wenn der Boden gesättigt ist, fließt das Regenwasser sofort in die Bäche. Eine Künstliche Intelligenz (KI) wertet diese Daten zusammen mit Wetterinfos vom Deutschen Wetterdienst in Echtzeit aus. Laut Hersteller kann das System eine Hochwasserwelle bis zu 60 Minuten vor ihrem Eintreffen vorhersagen.
Die Zusammenarbeit ist aufgeteilt: Die Städte und Gemeinden bezahlen und installieren die Messstellen an den Gewässern. Der Kreis kümmert sich um die Software und die Bodenfeuchtesensoren. Alle 15 Kommunen haben bereits im August 2024 eine Vereinbarung unterschrieben.
Das System ist nicht sofort perfekt. Nach der Installation der Sensoren folgt eine Anlernphase von bis zu einem Jahr. In dieser Zeit muss die KI lernen, wie die lokalen Gewässer auf Regen reagieren. Je mehr es in dieser Zeit regnet, desto schneller wird die Technik präzise.
Zukünftig sollen die Daten auch für die Öffentlichkeit in einem Internetportal einsehbar sein. So können sich die Bürger selbst über die aktuellen Wasserstände informieren. Wer sich jetzt schon schützen möchte, findet auf der Webseite des Märkischen Kreises eine sogenannte Starkregenmodellierung zur Eigenvorsorge.