Lünen: Expertin spricht über das Problem der Einsamkeit
Am 16. Juli kamen etwa 40 Gäste im Großen Saal des Multikulturellen Forums am Platz der Vielfalt in Lünen (Kreis Unna, Nordrhein-Westfalen) zusammen. Organisiert wurde der Abend gemeinsam vom Forum, dem Bildungswerk Multikulti und dem Kulturbüro der Stadt. Im Zentrum stand das neue Buch der Psychologin und Forscherin Maike Luhmann mit dem Titel „Einsamkeit – Warum sie uns alle betrifft“.
Es gab keine normale Lesung, sondern ein Gespräch. Zeynep Kartal vom Multikulturellen Forum moderierte den Abend und band die Besucher mit Fragen und Beiträgen in die Diskussion ein. Dabei ging es vor allem darum, was Einsamkeit eigentlich ist und wie sie entsteht.
Maike Luhmann erklärte den Gästen den wichtigen Unterschied zwischen Alleinsein und Einsamkeit. Während man das Alleinsein auch positiv erleben kann, ist Einsamkeit ein belastendes Gefühl. Man hat dann nicht die sozialen Kontakte, die man sich eigentlich wünscht. Das kann sogar Menschen passieren, die eigentlich viele Bekannte haben. Andere wiederum kommen mit sehr wenigen Kontakten gut klar.
Ein wichtiger Punkt war die Verbreitung. Oft denkt man, dass nur alte Menschen einsam sind. Aktuelle Studien zeigen aber, dass gerade junge Erwachsene oft betroffen sind. Auch sehr alte Menschen sind gefährdet. Faktoren wie Armut, Diskriminierung oder eine Zuwanderungsgeschichte erhöhen das Risiko zudem.
Die Expertin betonte, dass Einsamkeit kein privates Problem ist, sondern eine Herausforderung für die ganze Gesellschaft. Es hänge eng mit den Lebensbedingungen zusammen. So nannte sie Alleinerziehende als Beispiel: Wer diese Gruppe unterstützt, bekämpft gleichzeitig Einsamkeit, da sie oft zwischen Job und Kinderbetreuung zerrieben werden.
Zum Schluss wurde über Lösungen gesprochen. Kleine Gespräche im Alltag, etwa beim Bäcker oder im Bus, helfen zwar, die Verbundenheit zu stärken, heilen aber nicht den tiefen Schmerz der Einsamkeit. Dafür brauche es politische Lösungen, kostenlose Angebote und Orte, an denen Menschen einfach und unkompliziert zusammenkommen können.
Quelle: Lünen – zur Originalmeldung