Landrat kämpft gegen Schließung des Bereitschaftsdienstes in Bad Schwalbach
In Bad Schwalbach (Kreisstadt des Rheingau-Taunus-Kreises, Hessen) droht eine wichtige medizinische Anlaufstelle zu verschwinden. Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) plant, den Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD) dort zu schließen. Landrat Sandro Zehner wehrt sich nun mit einem offenen Brief gegen diesen Schritt.
Der Landrat macht deutlich: Er ist nicht gegen Reformen im Gesundheitssystem, aber er lehnt es ab, den Standort Bad Schwalbach zu schließen, bevor es eine sichere Alternative gibt. Laut Zehner wäre die Versorgung für viele Menschen gefährdet. Er hat die Erreichbarkeit geprüft und kommt zu einem anderen Ergebnis als die KVH. Während die Vereinigung behauptet, die meisten Patienten könnten innerhalb von 30 Minuten andere Zentren in Rüdesheim, Idstein oder Wiesbaden erreichen, sieht der Landrat das anders.
Seine Rechnung zeigt: Rund 11.250 Menschen im Kreis – das sind etwa 6 Prozent der Bevölkerung – bräuchten mehr als eine halbe Stunde Fahrtweg. Besonders problematisch ist dies für ältere Menschen oder Menschen ohne eigenes Auto. Für sie entstehe eine echte Hürde, wenn sie abends oder am Wochenende ärztliche Hilfe brauchen.
Zehner warnt zudem davor, dass die Belastung nicht einfach verschwindet, sondern nur verschoben wird. Wenn der Bereitschaftsdienst in Bad Schwalbach wegfällt, würden die Hausarztpraxen noch voller werden. Im schlimmsten Fall würden Patienten den Rettungsdienst rufen oder direkt in die Notaufnahme fahren, obwohl es keine lebensbedrohlichen Notfälle sind. Das würde wiederum den Rettungsdienst und die Leitstelle belasten, für die der Landkreis finanziell aufkommen muss.
Nachdem bereits das Krankenhaus in Bad Schwalbach geschlossen wurde, sieht der Landrat die medizinische Lage in der Kreisstadt als ohnehin schon geschwächt an. Er fordert die KVH nun auf, die Schließung auszusetzen, bis die gesetzlichen Grundlagen endgültig feststehen und ein verbindlicher Plan für die Anschlussversorgung vorliegt.
Zudem fordert der Landrat Antworten auf sechs offene Fragen, unter anderem zu den tatsächlichen Fallzahlen der letzten drei Jahre. Er hat der KVH drei Termine im September für ein Gespräch vorgeschlagen. Am 21. August wird er das Thema zudem bei einer regionalen Gesundheitskonferenz ansprechen, da die Problematik die gesamte Region betreffe. Eine Rückmeldung der KVH erhofft sich das Landratsamt bis zum 1. September 2026.