Landkreis Mittelsachsen sucht ehrenamtliche Vormünder für Kinder
Nicht jedes Kind hat Eltern, die das Sorgerecht ausüben können oder dürfen. Das kann viele Gründe haben: Vielleicht ist der Aufenthaltsort der Eltern unbekannt oder es gibt andere schwere Probleme. Auch Kinder, die adoptiert werden sollen, brauchen jemanden, der ihre rechtlichen Interessen vertritt.
Oft übernehmen Mitarbeiter vom Jugendamt diese Rolle. Doch das Gesetz sagt eigentlich, dass zuerst geschaut werden soll, ob es ehrenamtliche Vormünder gibt. Marina Horn vom Jugendamt des Landkreises Mittelsachsen (Sachsen) erklärt, dass Ehrenamtliche oft mehr Zeit und persönliche Aufmerksamkeit für die Kinder haben als die staatlichen Mitarbeiter.
Ein Vormund ist kein Erzieher und kümmert sich nicht um die tägliche Betreuung – das machen Pflegefamilien oder Heime. Stattdessen vertritt der Vormund das Kind bei Behörden, entscheidet über die Schule oder die Gesundheit und begleitet das Kind bei wichtigen Schritten im Leben. Ein Beispiel ist ein Jugendlicher, der ohne Eltern nach Deutschland kommt und völlig orientierungslos ist. Eine Vormundin hilft ihm dann bei der Schulwahl, bei Terminen und beim Finden eines Ausbildungsplatzes.
Wer mitmachen möchte, muss volljährig und geschäftsfähig sein. Ob jemand wirklich passt, entscheidet am Ende das Familiengericht. Wichtig sind vor allem Verantwortungsbewusstsein und Einfühlungsvermögen. Eigene Kinder oder eine bestimmte Ausbildung sind keine Bedingung.
Zeitlich muss man am Anfang mit etwa vier bis fünf Stunden pro Woche rechnen. Nach etwa drei Monaten sinkt der Aufwand meist auf zwei Stunden pro Woche. Gesetzlich vorgeschrieben ist mindestens ein Besuch im Monat dort, wo das Kind lebt.
Das Jugendamt lässt die Ehrenamtlichen nicht allein. Eine Koordinierungsstelle berät die Interessierten von Anfang an und hilft auch später bei Fragen und Problemen. Statt allgemeiner Kurse setzt das Amt auf eine persönliche Begleitung.
Wer wissen will, ob das Ehrenamt zu ihm passt, kann zu einem Informationsabend kommen. Dieser findet am 20. August um 17:00 Uhr im Landratsamt in Döbeln (Bahnhofstraße 22) statt. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Für weitere Fragen ist die Koordinierungsstelle unter der Telefonnummer 03731 799-6248 erreichbar.