Kunst aus Ton in Brandenburg an der Havel
In Brandenburg an der Havel (Brandenburg) entstehen besondere Kunstwerke aus Ton, Farben und viel Geduld. Menschen mit psychischen Erkrankungen arbeiten kreativ in der Lebenshilfe Werkstatt sowie in den Fliedners Werkstätten der Lafim-Diakonie. Für die Beteiligten ist das Formen von Figuren eine Möglichkeit, Gefühle auszudrücken und den eigenen Weg zu finden.
Die fertigen Arbeiten sind momentan Teil einer Wanderausstellung. Zuerst waren die Werke im Städtischen Klinikum zu sehen, danach im Gotischen Haus in der Ritterstraße und im Bürgerhaus Hohenstücken. Weitere Orte in der Stadt sind für die Ausstellung noch geplant.
Ein Blick hinter die Kulissen der Lebenshilfe Werkstatt in der Wredowstraße zeigt, wie die Arbeiten entstehen. Seit über 30 Jahren wird dort in Handarbeit an der Keramik gearbeitet. Unter der Leitung des Künstlers Brigk Münchehofe formen die Teilnehmer Vasen, Blumen, Tiere oder Haustürschilder. Besonders beliebt sind aktuell Fische und Igel. Die Stücke müssen etwa eine Woche trocknen, bevor sie im Ofen gebrannt und glasiert werden. Wer die Figuren im Garten aufstellt, sollte sie im Winter auf eine Holzplatte stellen oder ins Haus holen, damit sie nicht durch Frost kaputtgehen.
Für Katja Schadack vom Sozialen Dienst der Lebenshilfe ist der Kurs mehr als nur ein Hobby. In drei Gruppen mit jeweils etwa sechs Menschen können die Beschäftigten ihre Ideen umsetzen. Das stärkt das Selbstbewusstsein und hilft ihnen, die Krankheit zu verarbeiten. Die Werke werden auch auf dem Regionalmarkt im Paulikloster oder beim Gartenmarkt auf dem Neustädtischen Markt verkauft.
Die Teilnehmer haben unterschiedliche Vorlieben. Kathleen ist seit über acht Jahren dabei und formt vor allem Schmetterlinge und Igel, die sie in der Natur findet. Kristin hat bereits Elefanten und Frösche gemacht. Für die nächste Adventszeit plant sie kleine Wichtel, die an Regalkanten sitzen. Dörte lässt sich von ihrem Alltag oder anderen Ausstellungen inspirieren und formt unter anderem Gesichter und Fische.
Catrin Krüger, die Psychiatrie-Koordinatorin der Stadt, sieht in der Wanderausstellung eine Chance. Die Kunst solle zeigen, welche Fähigkeiten in jedem Menschen stecken. Die Besucher sollen die Werke nicht über die Krankheit der Erschaffer betrachten, sondern über deren Ausdruckskraft.