Kühe pflegen den Stadtwald von Herrenberg
Im Stadtwald von Herrenberg (Landkreis Böblingen, Baden-Württemberg) gibt es ein besonderes Projekt. In der Nähe vom Wanderparkplatz Mönchberger Sattel weiden Kühe im Wald. Das Ganze läuft seit 2019 und bringt eine alte Tradition zurück: Früher war es im Schönbuch ganz normal, dass Rinder im Wald grasten.
Die Tiere nutzen eine Fläche von etwa acht Hektar. Sie bleiben dort über den Sommer und fressen das Unterholz weg. Dadurch wird der Wald lichter. Das hilft vielen Pflanzen und Tieren, die genau solche offenen Strukturen brauchen, um zu überleben.
Ein Highlight in der Herde ist die weiße Kuh Lucy. Sie ist seit 2020 dabei und sticht optisch aus der Gruppe heraus. In diesem Jahr hat Lucy ein Adoptivkalb bei sich. Ihr eigenes Kalb hatte sie leider bei der Geburt verloren. Dass das Adoptivkalb einer anderen Rasse angehört, stört die Kuh nicht – sie kümmert sich liebevoll um das Tier. Außerdem ist eine weitere Kuh vom Typ Belted Galloway mit ihrem eigenen Kalb im Wald unterwegs.
Karl Seeger von der Schloßberg-Rind GbR passt auf die Tiere auf. Er muss genau schauen, wie viel Futter im Wald wächst. Weil es dieses Jahr lange trocken war, reicht das Gras nur für vier Tiere. In anderen Jahren konnten auch fünf oder sechs Rinder dort weiden. Das Wetter entscheidet also auch darüber, wie lange die Tiere im Wald bleiben können.
Das Projekt ist ein Erfolg für die Natur. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass durch die Kühe mehr Pflanzenarten wachsen. Sogar seltene Tiere wurden entdeckt: In den Tränkteichen lebt der Große Kolbenwasserkäfer, und auch der Hirschkäfer wurde dort gesichtet.
Wer die Tiere sehen möchte, kann das einfach tun. Vom Mönchberger Sattel aus führt ein etwa 1,5 Kilometer langer Weg zur Waldweide. Der Weg ist barrierearm gestaltet. Direkt an der Weide gibt es einen barrierefreien Besuchersteg mit Sitzgelegenheiten, von dem aus man die Tiere beobachten kann. Das Projekt wird gemeinsam von der Stadt Herrenberg und der Forstbehörde des Landratsamts Böblingen betrieben.
Weitere Informationen gibt es auf den Webseiten von Herrenberg, der Schloßberg-Rind GbR oder unter schoenbuch-heckengaeu.de.