Jugendliche aus Hadamar bauen Laser-Scanner für Archäologen
Was normalerweise teure Profi-Ausrüstung erfordert, haben Kinder und Jugendliche aus dem MINT-Club Hadamar selbst gebastelt. Sie entwickelten ein mobiles 3D-LiDAR-System. Das ist eine Technik, bei der Laser Entfernungen messen – so wie es auch moderne Staubsaugerroboter tun, um nicht gegen die Wand zu fahren. Zwei Jugendliche aus Elz (Hessen) waren bei dem Projekt mit dabei.
Alles begann mit einer Idee von Tom Langer. Er wollte mit seinem Taschengeld und der Hilfe seines Opas aus einem einfachen LiDAR-Sensor etwas Sinnvolles bauen. Zusammen mit Lina Grohmann und Lina Eufinger entwickelte er im Rahmen von Jugend forscht das Gerät und die passende Software für den PC. Weitere Mitglieder des Clubs halfen mit: Alexander Krupsky kümmerte sich um die Mikroprozessoren und den Funk, während David Hans, Felix Winkler und Andre Fischer einen steuerbaren Raupenroboter bauten. Wladimir Krupsky druckte die nötigen Spezialteile mit einem 3D-Drucker aus.
Die jungen Erfinder fanden Unterstützung bei Experten. Dr. Matthias Lang von der Universität Bonn half ihnen dabei. Er erklärte, dass Profi-Geräte oft zu schwer, zu teuer und schwer zu reparieren sind. Der Prototyp der Jugendlichen hingegen passt in eine Hand und kann direkt vor Ort geflickt werden. Getestet wurde die Technik zuerst in Frickhofen am „ewigen Eis“, einem historischen Stollen im Basalt des Westerwaldes. Dort konnten die Jugendlichen genau sehen, wo der Fels natürlich war und wo Menschen die Wände behauen hatten.
Auch die Universität Freiburg war involviert. Dort diskutierten die Schüler mit den Archäologen Dr. Mariachiara Franceschini und Dr. Paul P. Pasieka über die Anforderungen an echte Ausgrabungen. Am 22. Juli 2026 übergab der Club schließlich den fertigen Prototyp an das Forschungsteam von Vulci Cityscape. Das Gerät wird nun in Italien eingesetzt, um die antike etruskische Stadt Vulci zu erforschen.
Die Zusammenarbeit läuft bereits erfolgreich. Die Jugendlichen helfen von zu Hause aus bei der Auswertung der Daten. Am ersten Tag der Grabungen schickten die Forscher Bilder aus einem tiefen Loch nach Hadamar. Die Schüler setzten diese zu einer 3D-Ansicht zusammen und schickten sie zurück nach Italien. Dabei entdeckten sie vermutlich einen Zugangsschacht, der vor etwa 2600 Jahren verschlossen wurde.
Der MINT-Club ist eine private Initiative an der Herzenberg Schule Hadamar und wurde von dem Informatiker Christoph Braun gegründet. Er möchte Kindern zeigen, dass das Alter keine Rolle spielt, wenn man echte Probleme löst. Neben dem Laser-Scanner hat der Club bereits Projekte mit der TU Darmstadt oder dem Bundesverkehrsministerium umgesetzt. Im Spätherbst steht nun eine weitere Zusammenarbeit in Ägypten an, wo die Technik bei den Saite-Gräbern in Sakkara zum Einsatz kommen soll.
Quelle: Elz – zur Originalmeldung