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Herne und Bochum holen Azubis aus Brasilien

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Die Städte kämpfen gegen den Fachkräftemangel und setzen auf junge Leute aus Südamerika. Die neuen Auszubildenden sind bereits da und berichten von ihren ersten Erlebnissen im Ruhrgebiet.

In Herne (Nordrhein-Westfalen) und Bochum wird es international. Weil in den Verwaltungen immer mehr Leute in Rente gehen, haben die Städte einen ungewöhnlichen Weg gewählt: Sie haben Auszubildende aus Brasilien angeworben. Kürzlich trafen sich alle Beteiligten bei der Straßenbahn Herne – Castrop-Rauxel GmbH (HCR), um zu schauen, wie der Start geklappt hat.

Die jungen Leute sind bereits in der Region und sprechen schon bemerkenswert gut Deutsch. In der Gesprächsrunde erzählten sie ehrlich, was ihnen in Deutschland auffällt. Gabriel Barbosa Correa, der Anfang September als Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik bei den Stadtwerken Herne startet, lachte über die deutsche Mülltrennung. Er fragte sich anfangs, welche Tonne nun für welchen Müll gedacht ist. Auch die deutsche Bürokratie und die Steuererklärung seien anders als in seiner Heimat.

Andere hatten positive Überraschungen. Lucas Alves de Andrade Neumamm, ebenfalls angehender Elektroniker bei den Stadtwerken, sagte, dass Deutsche in Brasilien als sehr streng gelten. In der Realität seien sie aber offen und hilfsbereit. Lourenço Winter, der in Bochum zum Fachinformatiker lernt, war besonders von der Cranger Kirmes begeistert und besuchte das Volksfest sogar zweimal.

Auch andere Berufe werden so besetzt: Jennifer Mainardes Demasio lernt in Herne die Veranstaltungstechnik und lobte die Parks und die Natur in der Stadt. Amanda Daudt Pedreschi wird bei der HCR zur Kfz-Mechatronikerin ausgebildet. Sie besuchte bereits den Nürburgring.

Damit die Brasilianer gut ankommen, gibt es Unterstützung. Ehrenamtliche Experten im Ruhestand vom „Senior Expert Service“ (SES) aus Bonn begleiten die Azubis als Mentoren.

Der Hintergrund für das Projekt ist der demographische Wandel. Allein in Herne werden bis 2030 etwa 650 Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. Um diese Lücken zu füllen, setzt die Stadt nicht nur auf Ausländer, sondern auch auf Quereinsteiger und neue Ausbildungswege. Durch die Zusammenarbeit mit Bochum und Firmen wie der HCR oder den Stadtwerken lassen sich die Kosten und der Papierkram bei den Visa reduzieren.

Die Verantwortlichen der Städte sowie Vertreter der Agentur für Arbeit und des Goethe-Instituts ziehen eine positive Bilanz. Das Projekt gilt als Vorzeigeprojekt gegen den Fachkräftemangel.

Quelle: Herne – zur Originalmeldung

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